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Aufführungen | Schauspiel

Was Ihr wollt

GLOBE BERLIN | Open Air-Bühne

Das Verwirrspiel der Geschlechter. Zweisprachig auf die Bühne gebracht vom britischen Shakespeare-Spezialisten Ben Crystal. Open Air. „Was Ihr wollt“ ist DER Komödien-Klassiker von Shakespeare, der auch in unserer Zeit politisch aktuell und viel mehr als „nur“ eine Komödie ist. Das Stück porträtiert eine diverse, multikulturelle Gesellschaft, in der anfänglichen Turbulenzen mit Verständigung und Versöhnung begegnet wird. Die Einstudierung entstand in Zusammenarbeit mit dem renommierten britischen Shakespeare-Spezialisten Ben Crystal, der zum ersten Mal in Berlin arbeitete. Er ist selbst Schauspieler am Globe Theatre in London und ein international gefragter Regisseur. Die vom Globe Ensemble präsentierte Fassung entfaltet ihren besonderen Reiz durch die Verbindung von Zweisprachigkeit und der von Ben Crystal entwickelten „Quick-Raise“-Methode. Diese Arbeitsweise verbindet historische Aufführungspraktiken aus Shakespeares Zeit mit modernen Schauspieltechniken. Der auf wenige Tage konzentrierte, stark ensembleorientierte Probenprozess umfasst sowohl intensive Körperarbeit als auch eine eingehende Auseinandersetzung mit dem Text. Ben Crystals "Quick-Raises" zeichnen sich durch ihre spielerische Lebendigkeit sowie ihre körperliche und emotionale Intensität aus. Die Aufführungen finden im Rund statt und kommen ohne aufwendiges Bühnenbild sowie mit nur wenigen Requisiten aus. Die Szenen sind weder gestellt noch fest choreografiert; im Voraus gibt es keine spielerischen Verabredungen. Stattdessen genießen die Darsteller:innen große Bewegungsfreiheit. Der fortwährende Wechsel zwischen deutschen und englischen Dialogen erzeugt zusätzliche Spannungen und überraschende Momente, die jede Vorstellung zu einem einzigartigen Erlebnis machen - jeden Abend ist neu und anders! Worum geht’s?: Ein Zwillingspaar strandet nach einem Schiffbruch getrennt in Illyrien. Viola verkleidet sich als Mann und dient Herzog Orsino, soll für ihn um Olivia werben – die sich jedoch in Viola verliebt. Als Violas Bruder Sebastian auftaucht, entsteht ein turbulentes Verwirrspiel. Parallel sorgen Olivias Onkel Toby, sein Freund Andrew und ein Racheplan gegen den sittenstrengen Malvolio für zusätzliches Chaos. Mit: Wiebke Acton, Astrid Köhler, Benjamin Krüger, Philipp Myk, Nadja Schimonsky, Adrian Stowasser Regie: Ben Crystal Dramaturgie & Übersetzung: Christian Leonard Kostüme: Hanna Zietlow und Lilly Sun Maennig Musik: Bernd Medek Gefördert durch die Karin und Uwe Hollweg Stiftung. 22 Euro / erm. 17,50 Euro Fr+Sa: 26 Euro / erm. 21 Euro Ticket Telefon: 030-841 08 909 (Ticketmaster)
Aufführungen | Schauspiel

fünf minuten stille

Deutsches Theater Berlin

Drei Menschen finden sich in einem Raum wieder, den sie nicht mehr verlassen können. Alles, was sie wollen, sind fünf Minuten Ruhe. Dem Wind im Kornfeld lauschen. Den Vögeln im Geäst. Vielleicht sogar dem eigenen Herzschlag. Fünf Minuten ohne Meinungen, ohne Haltungen. Doch das stetige Rauschen der Welt zum Verstummen zu bringen, erweist sich als schwerer als gedacht. Kaum kehrt Stille ein, drängt sich die Welt von draußen wieder dazwischen – mit all ihren Stimmen, Gewissheiten und Widersprüchen. In einem jedoch scheinen sie sich einig: Die Hölle, das sind die anderen da draußen. Leo Meiers Stück zwei herren von real madrid wurde 2022 beim Heidelberger Stückemarkt mit dem Publikumspreis sowie dem SWR2-Hörspielpreis ausgezeichnet. Sein Stück auf der suche nach dem verlorenen bagger ist zu den Autor*innenTheaterTagen 2026 am Deutschen Theater eingeladen. Regie: Giulia Lancellotti Bühne: Diana Berndt Kostüme: Anna Weidemann Komposition & Sound: Marina Lukashevich Licht: Peter Grahn Dramaturgie: Christopher-Fares Köhler
Aufführungen | Schauspiel

Leichter Gesang

Deutsches Theater Berlin

„Ich verstehe Bus / Ich verstehe U-Bahn / Ich verstehe Bus-Bahn-Hof / Ich versteh an Halte-stelle!” Was bedeutet es, etwas zu verstehen oder nicht zu verstehen? Welche Sprache braucht es für Verständigung? Und was geschieht, wenn genau dieser Versuch das Verstehen, das Missverstehen selbst zum Thema eines Theaterabends wird? Autorin Nele Stuhler und Regisseur FX Mayr begeben sich gemeinsam mit Schauspieler:innen des DT und des inklusiven RambaZamba Theaters auf eine poetische Forschungsreise: ins Innere des Sprechens, des Schreibens und in das produktive Missverständnis. Leichter Gesang ist ein Theatertext, der nicht vorgibt, alles zu wissen, sondern sich bewusst im Nicht-Wissen verortet. Der in der Sprache selbst sein Material findet und sie gleichzeitig in Frage stellt. Nele Stuhler arbeitete dabei auch mit Elementen der Leichten Sprache, ohne sie eins zu eins zu übernehmen. Stattdessen nutzte sie deren Prinzipien. Herausgekommen ist eine Sprache, die zugleich einfach und komplex ist. Eine Sprache, die allen fremd ist und damit alle gleichermaßen einlädt, sich ihr zu nähern. Eine Inszenierung über Sprache, über ihre Macht und ihre Grenzen. Über das, was verständlich erscheint; und was sich im nächsten Moment wieder entzieht. Die Begriffe neu sortiert, Fragen stellt, statt Antworten zu geben. Ein Text, der erklingen will, im Sprechen, im Singen, im Spiel. Und der dabei erfahrbar macht, dass Verständigung nicht im Beherrschen von Sprache liegt, sondern im gemeinsamen Versuch. Verstehen? Nicht verstehen! In unserem Spielzeitmagazin sprechen Autorin Nele Stuhler und Regisseur FX Mayr über ihr Projekt Leichter Gesang und die Frage, wie ein Stücktext neue Begegnungen ermöglichen kann. Regie: FX Mayr Bühne: Anna Wohlgemuth Kostüm: Korbinian Schmidt Musik: Matija Schellander Licht: Thomas Langguth Dramaturgie: Christopher-Fares Köhler Projektmitarbeiterin: Inklusive Kunstpraxis Joy von Wienskowski Dauer: 1 Stunde 10 Minuten, keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Sonne und Beton

Deutsches Theater Berlin

Ein Sommer zwischen Plattenbauten. Hitze, Langeweile, Gewalt. Zu wenig Geld, zu wenig Platz in der Familie. Und ab und zu auch Schule. Der 16-jährige Lukas wird in einen Konflikt zwischen Dealergruppen verstrickt. Gibt der Klügere nach? Oder tritt der Klügere nach? Beides scheinen schlechte Optionen. Ein neuer Mitschüler aus Marzahn-Hellersdorf hat eine geniale Idee und in einem schwindelerregenden Moment beschließen Lukas und seine Freunde, die nagelneuen Computer zu stehlen, die der Senat seiner „Problemschule“ gestiftet hat – ohne dass die Jungs zu Ende denken, wie man sie eigentlich unauffällig zu Geld machen könnte. Ein rasanter Wettlauf gegen alle Wahrscheinlichkeiten beginnt. Autor Felix Lobrecht ist Comedian und Host eines der erfolgreichsten deutschen Podcasts: Gemischtes Hack. Sein autobiografisch inspirierter Kult-Roman erzählt im Neuköllner Slang zugleich humorvoll, drastisch und berührend vom Aufwachsen in Berlin-Gropiusstadt. DT Jung* bringt Sonne und Beton in einer mobilen Uraufführung von Karsten Dahlem nach ganz Berlin: in die Klassenzimmer der verschiedensten Bezirke, genauso aber auch ins Jugendzentrum, in den Nachbarschaftsgarten oder die Vereinskantine. Wir packen die Inhalte und Figuren ein und bringen das Theater in alle Ecken dieser Stadt. Abgerundet wird die Aufführung mit einem anschließenden Nachgespräch vor Ort. Regie: Karsten Dahlem Ausstattung Justina Jaszczuk Musik: Hajo Wiesemann Dramaturgie: Lilly Busch Assistenz, Theaterpädagogik: Caroline Ader Künstlerische Vermittlung: Viola Novak empfohlen ab Klasse 8 ______________________________________ Sonne und Beton kommt zu Ihnen! Sie möchten diese Produktion von DT Jung* mit Ihrer Klasse, im Jugendclub, Stadtteilzentrum oder Nachbarschaftsgarten erleben? Theater Mobil bringt das Theater direkt zu Ihnen in die Schule und an andere Orte. Dauer: 90 Minuten, inklusive Nachgespräch Kosten: 6 Euro pro Schüler:in Sollten Einzelne sich den Preis nicht leisten können, unterstützen die DT Freunde den Besuch! Bitte beachten Sie: Die mobilen Aufführungen im Oktober sind bereits alle vergeben. Über weitere Termine informieren wir Sie hier sowie im monatlichen DT Jung* Newsletter. Jetzt anmelden und als Erste:r von neuen Vorstellungsterminen erfahren. empfohlen ab Klasse 8
Aufführungen | Schauspiel

Deutscher Herbst

Deutsches Theater Berlin

Premiere: 26.9.2026 In seiner neusten Theaterarbeit Deutscher Herbst nimmt der gefeierte Regisseur Christopher Rüping einen Text aus dem Herbst 1946 und weitere Herbste zum Anlass, um von den Verlusten der Gegenwart zu erzählen: vom Verschwinden der Erinnerung, vom Ende gemeinsamer Erzählungen, aber auch von möglichen Utopien, die sich hinter diesem Ende auftun. Dafür legen Christopher Rüping und sein Ensemble das Ohr an die Geschichte. Romantik und Kriege antworten aufeinander und auf den Herbst 2026. Eine Tochter begegnet ihrem Vater, Trauer trifft auf Trost. Der Abend entsteht in Koproduktion mit dem Kunstfestival Ruhrtriennale und kommt am 17. September in der Jahrhunderthalle Bochum zur Uraufführung. Schon wenige Tage später ist er dann in Berlin zu sehen. Wer Deutscher Herbst hört, denkt wohl zuallererst an das Jahr 1977. Der Terror der RAF und die Reaktion des Staates prägten eine ganze Generation. Aber vielleicht ruft der Begriff noch andere Herbste auf? Den Mauerfall, ein Lied aus der Schulzeit, ein Gemälde von Caspar David Friedrich? Während sich die Geschicke anderer Nationen im Frühling wenden, hat Deutschland seinen Herbst. Herbste sind Phasen, in denen sich unsere Geschichte verdichtet. Der Theaterabend von Christopher Rüping leiht sich seinen Titel im Herbst 1946. In diesem Jahr reist der 23 Jahre junge schwedische Autor Stig Dagerman durch Deutschland. In seiner Heimat ist er ein Shootingstar; für die Tageszeitung Expressen besucht er Berlin, Hamburg, Frankfurt, das Ruhrgebiet: Städte und Regionen, die in Elend, Hunger und Ruinen liegen. Seinen literarischen Reisebericht nennt Dagerman Deutscher Herbst . Es regnet unaufhörlich, die Herbstblätter fallen – und der junge Schwede stellt sich die Frage: werden diese Menschen, die so zerbrechlich zwischen Ende und Anfang taumeln, in die Freiheit finden oder stolpernd untergehen? Seit dem Herbst 1946 sind achtzig Jahre vergangen. Der Theaterabend Deutscher Herbst nimmt diesen Abstand zum Anlass für eine Bildbeschreibung der Gegenwart. Die Menschen, die Stig Dagerman zwischen Ruinen getroffen hat, werden bald nicht mehr Teil dieses Bildes sein oder sind es schon jetzt nicht mehr. Trotzdem sind die Fragen geblieben oder wieder da. Der heutige Mensch lebt im Gefühl der Orientierungslosigkeit. Wir wohnen dem Verlust einer Ordnung bei – und je mehr wir uns festhalten, desto mehr taumeln wir. Das macht uns Angst. Gleichzeitig markiert dieser Schwindel eine Schwelle. Er ist das Gefühl, in dem sich unsere Gegenwart selbst erkennt. Denn der Taumel macht uns um die Erfahrung reicher, dass wir nicht auf festem Boden stehen. Regie: Christopher Rüping Bühne: Jonathan Mertz Kostüme: Lene Schwind Musik: Christoph Hart Video: Emma Lou Herrmann Licht: Robert Grauel Dramaturgie: Bernd Isele
Aufführungen | Schauspiel

Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste

Deutsches Theater Berlin

Premiere: 25.9.2026 Grischa Tannberg kommt als Absolvent der Hochschule für Ökonomie Bruno Leuschner frisch ausgebildet nach Berlin, um seine erste Stelle in der Staatlichen Plankommission anzutreten. Er ist hochmotiviert und fest entschlossen, seine Arbeitskraft dem sozialistischen Fortschritt zur Verfügung zu stellen. Nur gibt es in seiner Abteilung zunächst vor allem eines: nichts zu tun. Doch die Dienstanweisung seines Vorgesetzten, sich im kunstvollen Warten zu üben, ignoriert er. Er liest, rechnet, denkt – und entwickelt einen Plan für die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Demokratischen Republik Afghanistan. Afghanistan braucht Waren aus der DDR. Die DDR braucht Devisen. Und Afghanistan besitzt ein landwirtschaftliches Produkt, über das man in Amtsstuben lieber nicht zu laut spricht. Aus einer verwegenen Idee wird ein Vorgang, aus dem Vorgang eine Arbeitsgruppe, aus der Arbeitsgruppe ein Pilotprojekt. Bald sind nicht nur die Staatliche Plankommission, sondern auch Grenztruppen, Ministerien, westdeutsche Behörden und politische Spitzenkreise mit einer Frage beschäftigt, auf die niemand vorbereitet war: Was passiert, wenn eine absurde Idee plötzlich funktioniert? Jakob Hein, geboren in Leipzig und aufgewachsen in Ost-Berlin, hat eine besondere Gabe für diese Art von historischer Schräglage: Er nimmt die großen Systeme ernst genug, um ihre Komik freizulegen. In seinem Roman wird Geschichte nicht korrigiert, sondern probeweise anders zusammengesetzt. Eine deutsch-deutsche Komödie über Akten, Grenzübergänge und große Politik. Über eine Idee, die zu gut funktioniert. Und über die Frage, ob Weltgeschichte manchmal nicht aus Überzeugung entsteht, sondern aus Zuständigkeit, Zufall und der falschen Person am richtigen Schreibtisch. Regie: Wilke Weermann
Aufführungen | Schauspiel

Fake Jews

Deutsches Theater Berlin

1995 erscheint bei Suhrkamp ein Band mit Erinnerungen eines lettischen Holocaustüberlebenden. Die Veröffentlichung erhält zahlreiche Preise und wird als bewegendes Zeitdokument bestens besprochen. Bis nur drei Jahre später ein schweizerisch-jüdischer Journalist aufdeckt: Der Autor dieser angeblichen Memoiren ist weder Jude, noch war er je vom Terror der Nationalsozialisten betroffen, sondern schreibt aus einer erfundenen Perspektive, hat sich seine jüdische Biographie also nur ausgedacht. Allerdings: Diese Aneignung einer jüdischen Opferbiografie ist keineswegs ein Einzelfall, und was aufgrund der fiktiven Biografie des Binjamin Wilkomirski anschließend als „Wilkomirski-Syndrom” beschrieben wird, erfährt seit dem zweiten Weltkrieg regelrecht Konjunktur. Insbesondere im Land der Täter und der nicht flächendeckend aufgearbeiteten Familiengeschichten finden sich zahlreiche Figuren, die sich einen Vorteil durch die Behauptung einer Verfolgungsbiographie versprechen, unter ihnen eine bekannte Bloggerin, ein langjähriger Vorsitzender einer jüdischen Gemeinde bei Hamburg oder ein einflussreicher Journalist. In einer Gegenwart, in der die eigene Identität für die Sichtbarkeit und Relevanz einer Aussage zunehmendes Gewicht erhält, werden bestimmte Biographien zum Privileg: Ist die Aneignung jüdischer Identität also ein Karrierevorteil? Ein Verkaufsargument? Oder wird vielmehr nicht allzu genau überprüft, ob das Behauptete stimmt, wenn es historisch so sensibel ist? Noam Brusilovsky untersucht diese Fragen in einem Monologprojekt und beleuchtet die blinden Flecken der deutschen Erinnerungskultur in einer sich zunehmend polarisierenden Gegenwart. Regie: Noam Brusilovsky Ausstattung: Julia Plickat Musik: Tobias Purfürst Dramaturgie: Johann Otten Dauer: 1 Stunde 35 Minuten, keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Tagebuch eines Wahnsinnigen

Deutsches Theater Berlin

aus dem Russischen von Kai Borowsky Poprischtschin ist ein kleiner Beamter im Staatsdienst. Jeden Tag müht er sich in seinem grauen Alltag ab, ist unglücklich in seinem Beruf und auch noch hoffnungslos in die Tochter seines höchsten Chefs verliebt. Er träumt vom sozialen Aufstieg und zieht sich mehr und mehr aus der ihn demütigenden Realität zurück, um sich schließlich komplett in eine Scheinwelt zu flüchten. Nikolai Gogol beschreibt in Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen die Situation eines Mannes, der keine Chance mehr hat auf Karriere und Aufstieg in der Gesellschaft, sich aber weigert, dies zu akzeptieren. Stattdessen versucht er, seinen Minderwertigkeitskomplex durch ein bis zum Größenwahn gesteigertes Omnipotenzgefühl zu bewältigen. Samuel Finzi spielt den Wahnsinnigen, der mit 42 Jahren eine neue Karriere startet. Regie: Hanna Rudolph Bühne: Mareile Krettek Kostüme: Geraldine Arnold Musik: Jacob Suske Dauer: 1 Stunde 15 Minuten, keine Pause
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Ach, Mom!

Deutsches Theater Berlin

Es beginnt in einem Wohnzimmer, wie in jeder Sitcom. Und endet im Delirium. Ach, Mom! ist eine choreografierte Multicam-Inszenierung für vier Schauspieler:innen, bei der Techniken aus der musikalischen Komposition auf das Vokabular des Schauspiels übertragen werden. Komplexe Erzählmuster entstehen nicht durch Handlung, sondern durch rhythmische Überlagerung, Phasenverschiebung und fein getimte Körperinteraktionen. Gesten werden von ihren Funktionen entkoppelt, Objekte verlieren ihre Subjekte, Stimmen schweben zwischen Lip-Sync und realer Sprache. Die Kamera übernimmt nicht länger die Rolle des neutralen Beobachters, sondern emanzipiert sich – zoomt, verpasst, insistiert. Was als Sitcom beginnt, endet im Rausch einer neuen, grotesken Theatersprache. Ach, Mom! ist keine Erzählung über Familie – sondern eine Partitur über ihre Zeichen. Ein Delirium aus Rhythmen, Blicken, Routinen und Brüchen. Eine Sitcom, die sich selbst zum Explodieren bringt, um aus ihren Trümmern ein neues Modell performativer Erzählung zu bauen. Der Komponist, Multimediakünstler und Regisseur Nico Sauer untersucht in seinen Projekten zwischen Musiktheater, bildender Kunst und Performance die Grenzen musikalischer Komposition und theatraler Genres und konnte mit seinem Projektvorhaben Ach, Mom! die Jury des Open Calls überzeugen. „Ich bin es gewohnt durch's Raster zu fallen.” Nico Sauer spricht im Interview über Verblüffung, das Wandeln zwischen den Sparten und das Loslassen lernen. Regie: Nico Sauer Ausstattung: Maria Magdalena Emmerig Dramaturgie: Johann Otten empfohlen ab Klasse 11
Aufführungen | Schauspiel

Der Liebling

Deutsches Theater Berlin

Die gigantischen Konzerne Never und Immer ringen um die Monopolstellung auf dem Markt und um die Erfindung des nächsten innovativen Frauenhygieneartikels. Die CEOs Franka und Bettina wollen die Firma der jeweils anderen aufkaufen und sich gegenseitig an den Kragen. Ihre Kinder buhlen um das Erbe und um die Zuneigung ihrer Mütter, während deren Vertraute, Beraterinnen und Praktikantinnen eigene Karrierechancen wittern. Vielschichtige Intrigen und Affären entspinnen sich, genauso wie unerwartete Allianzen. Inspiriert von popkulturellen Referenzen wie den Filmen The Favourite, Der Teufel trägt Prada oder der Serie Succession untersucht die Dramatikerin Svenja Viola Bungarten Spielarten von Macht und Solidarität unter Frauen. Was sind die Kosten von Erfolg? Auf welche Weisen arbeiten Frauen am Patriarchat mit? Was macht Macht mit Feminismus, und welche Macht braucht Feminismus? Auf die Bühne gebracht wird der Text in der Regie von Anita Vulesica, die sich in der Spielzeit 2023/24 bereits mit der Inszenierung von Georges Perecs Die Gehaltserhöhung am Deutschen Theater auf tiefgründige und zugleich irrwitzige Weise mit dem Themenkomplex von Arbeit und Lohn befasst hat. Regie: Anita Vulesica Bühne: Henrike Engel Kostüme: Janina Brinkmann Musik: Carolina Bigge Choreografie: Mirjam Klebel Video: Phillip Hohenwarter Licht: Kristina Jedelsky Dramaturgie: Lilly Busch empfohlen ab Klasse 10 Dauer: 2 Stunden, keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Liebe, einfach außerirdisch

Deutsches Theater Berlin

Unsere Mission wird beendet??? Nein, Wir müssen ZURÜCK??? NEIN!!!!!!! Ich kann nicht glauben, dass man uns abberuft. Glaubst du, ich werde sie nicht vermissen, die Leute, die ich hier liebgewonnen habe? Die Art, wie die Menschen ihren Blick abwenden, wenn ich auf sie zugehe? Oder die da oben im zweiten Rang, die mich sowieso nicht sehen? Regie: René Pollesch Bühne: Barbara Steiner Kostüme: Tabea Braun Video: Roman Kuskowski Dramaturgie: Bernd Isele Licht: Matthias Vogel Dauer: 1 Stunde 25 Minuten, keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Die Räuber. Der Ort der Geschichte ist Deutschland

Deutsches Theater Berlin

Die Welt ist aus den Fugen. Nicht nur, dass die Vorboten der französischen Revolution die Gesellschaft durch Klassenkämpfe und Gewalt erschüttern, auch die familiäre Ordnung des alten Grafen von Moor droht zu zerbersten. Franz, der zweitgeborene Sohn, fühlt sich um die väterliche Gunst betrogen und will Rache nehmen. Er ersinnt eine Intrige gegen den älteren, begünstigten Bruder Karl, woraufhin jener vom Vater verstoßen wird. Gekränkt von der Zurückweisung des Vaters schließt sich Karl einer Bande von Räubern an, um gegen die Ungerechtigkeit in der Gesellschaft zu kämpfen. Während sich Karl für die Freiheit des Einzelnen und die Emanzipation vom tyrannischen Staat einsetzt, offenbart Franz die dunklen Seiten des Machtstrebens. Die Situation gerät außer Kontrolle, der Kampf um individuelle Freiheit wird zum Zündstoff eines schonungslosen Zerstörungswerks. Hass, Selbstbezogenheit und entfesselte Gewalt greifen um sich. Als Schillers Schauspiel Die Räuber am 13. Januar 1782 am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt wurde, reagierte das Publikum geradezu elektrisiert. Schillers neuer Bühnenton wirkte rasant, wortgewaltig und respektlos. „Das Theater glich einem Irrenhause, rollende Augen, geballte Fäuste, stampfende Füße, heisere Aufschreie im Zuschauerraum! Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme. Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Thüre. Es war eine allgemeine Auflösung wie im Chaos, aus dessen Nebeln eine neue Schöpfung hervorbricht!” Am Deutschen Theater spürte die Regisseurin Claudia Bossard bereits in ihrer gefeierten Uraufführung von Rainald Goetz‘ Baracke dem Zusammenhang von Familie und Gewalt im bürgerlichen Milieu nach. Indem sie Schillers berühmten Klassiker als mentalitätsgeschichtliches Zeitdokument liest, setzt sie ihre Auseinandersetzung mit der deutschen bürgerlichen Gesellschaft fort und ergründet das Zusammenspiel von Kunst, Ethik und Politik im Terror der Festung Familie. Regie: Claudia Bossard Bühne: Elisabeth Weiß Kostüm: Andy Besuch Musik: Annalena Fröhlich Licht: Cornelia Gloth Dramaturgie: Daniel Richter empfohlen ab Klasse 11 Dauer: 2 Stunden, keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Prima Facie

Deutsches Theater Berlin

Aus dem Englischen von Anne Rabe Trotz Bestnoten, Einser-Abi und ausgezeichnetem Bachelor-Abschluss: Zwei Drittel aller Studierenden der Top Law School werden ihr Studium nicht abschließen. Von denen, die es schaffen, wird nur die Hälfte als Jurist:in arbeiten. Und nur fünf davon als Anwält:in. Aber Tessa hat es geschafft. Aus dem Arbeiterkind, das sich seinen Platz hart erkämpft, wird eine erfolgreiche Strafverteidigerin, die mit Stolz ihre Rosshaarperücke trägt. Wie alle Strafrechtsanwälte glaubt Tessa an das Gesetz, an das System und an die Unschuldsvermutung, die für sie keine Floskel ist, sondern das Fundament einer zivilisierten Gesellschaft. Deshalb verteidigt auch sie die Angeklagten, sucht nach Lücken in der Anklage und prüft akribisch die Aussagen von Opfern und Zeugen. Und Tessa ist eine der Besten in ihrem Job. Ob Drogenprozesse, Korruptionsvorwürfe oder sexuelle Übergriffe: Tessa geht es um die juristische Wahrheit und den Beweis, mithilfe dessen ihre Angeklagten vor dem Gesetz für „unschuldig“ erklärt werden. Im Kreuzverhör spielen Sympathien keine Rolle, jede und jeder muss sich den scharfen Fragen der Anwältin stellen, auch Opfer vermeintlicher sexueller Übergriffe, deren Aussagen vor Gericht analysiert und auseinandergenommen werden. Bis zu dem Tag, an dem etwas passiert, was Tessa nie für möglich gehalten hätte: Ihr Kollege, mit dem sie eine Affäre hat, wird nach einem Date sexuell übergriffig. Während ihr Leben vor ihren Augen zusammenbricht, wird Tessa von der Strafverteidigerin zur Anklägerin und erlebt die Vorgänge im Gerichtssaal von der anderen Seite. "Prima facie" ist ein juristischer Terminus, der auf Deutsch Anscheinsbeweis heißt und so viel bedeutet wie "bis auf Widerruf" oder "solange sich keine neuen Evidenzen einstellen". Kann das System, an das Tessa so sehr geglaubt hat, sie schützen – oder lässt es sie am Ende im Stich? Der preisgekrönte Monolog der australischen Autorin Suzie Miller wurde 2019 in Sidney uraufgeführt und hat bereits erfolgreich im Londoner Westend und jüngst am Broadway Premiere gefeiert. Regie: András Dömötör Bühne und Kostüme: Moïra Gilliéron Musik: Tamás Matkó Dramaturgie: Jasmin Maghames Wir weisen darauf hin, dass dieses Theaterstück auch sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung und Traumabewältigung thematisiert. In diesem Stück kommen Stroboskop-Effekte zum Einsatz. Dauer: 1 Stunde 35 Minuten, keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Böhm

Deutsches Theater Berlin

Dirigenten sind faszinierende Menschen: Musikalisch von höchster Sensibilität, gebieten sie als gottähnliche Alleinherrscher über riesige Klangkörper. Sie müssen sowohl Empfindsamkeit als auch Führungsstärke mitbringen und sind bisweilen tyrannische, selbstherrliche Despoten, deren Seelenregungen oder Fingerzeige eine Hundertschaft in Bewegung zu setzen vermögen. So wie Karl Böhm, einer der größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Zwischen Geburt und Begräbnis liegen fast 87 Lebensjahre, die von einem tiefen Zwiespalt geprägt sind: Einerseits war Böhm ein großer Künstler, andererseits war er ein Mensch, der sich mit dem Nationalsozialismus gemein machte, um seine Karriere voranzutreiben. Auf Fürsprache Hitlers wurde Böhm 1934 an die Semperoper in Dresden berufen, um Nachfolger des Dirigenten Fritz Busch zu werden, den das NS-Regime zum Rücktritt und zur Emigration genötigt hatte. 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde Böhm Direktor der Wiener Staatsoper. 1945 entfernten ihn die alliierten Besatzungsbehörden wegen zu großer Nähe zum Nazi-Regime aus dem Amt des Direktors und belegten ihn mit einem Auftrittsverbot. Nach Ende der Besatzungszeit bis 1956 wurde er dann ein zweites Mal mit diesem Amt betraut. Der begnadete Puppenspieler und Puppenbauer Nikolaus Habjan beschäftigt sich in Böhm erneut mit dem finstersten Kapitel europäischer Geschichte, das ihn auch in anderen Stücken umtreibt, wie z.B. in F. Zawrel – Erbbiologisch und sozial minderwertig . Böhm stammt aus der Feder des Wiener Autors Paulus Hochgatterer, der Nikolaus Habjan und dessen Puppen die Rollen auf den Leib geschrieben hat. Regie: Nikolaus Habjan Regiemitarbeit: Martina Gredler Bühne: Julius Theodor Semmelmann Kostüme: Cedric Mpaka Dramaturgie: Karla Mäder, Elisabeth Geyer Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause voraussichtlich empfohlen ab Klasse 9
Aufführungen | Schauspiel

Unter Vögeln

Deutsches Theater Berlin

Die Autorin Caren Jeß veröffentlichte 2019 ihr dramatisches Kompendium Bookpink , eine Sammlung von sieben Miniaturen über menschliche Abgründe, soziale Gefüge und gesellschaftliche Debatten, deren Protagonisten Vögel waren. Nach dem ATT-Atelier 2024 wächst das Bookpink -Universum weiter – Caren Jeß stellt die Neuankömmlinge in der Vogelwelt, die unserer allzu ähnlich ist, vor: voll Machtfantasien, fragilen Ordnungen und dem seltsamen Verschwinden von Fantasie. Da ist der Adler, der sein Küken verachtet. Eine Mutter ohne weibliche Form, aber mit strengem Weltbild: Stärke zählt, Schwäche schadet dem Ruf. Also ab mit dem kleinen, „missratenen” Sohn ins Reservat für auffällige Arten. Neue Eier, neue Hoffnung, alte Härte. Dann Frau Pétain, ein quirliges Kolibriweibchen, das sich sterilisieren lassen will, um ihr Leben selbst zu bestimmen. Doch der Eingriff misslingt – und die ärztliche Zaunkönigin findet das sogar ganz richtig so. Und Nikki die Kanarie: leuchtend gelb, gefangen in einer Voliere, die eher wie ein hübscher Käfig als ein Zuhause wirkt. Ihr Mensch Cord liegt im Sterben, das Zimmer ein Kaleidoskop aus Glas und Licht. Am Fenster wartet der Zilpzalp auf den Moment, in dem sich die Tür öffnet und Nikki vielleicht wieder singt. Unter Vögeln ist ein Abend über Macht, Fürsorge, Fantasie – und darüber, was passiert, wenn man Vögel zu ernst nimmt. Oder genau ernst genug. Regie: Jorinde Dröse Bühne: Kathrin Frosch Kostüme: Juliane Kalkowski Musik: Lars Wittershagen Licht: Thomas Langguth Dramaturgie: Jasmin Maghames empfohlen ab Klasse 11 Dauer: 1 Stunde 40 Minuten, 0 Pausen
Aufführungen | Schauspiel

Schicklgruber

Deutsches Theater Berlin

Mit diesem vage österreichisch klingenden Namen, Schicklgruber , weiß auf Anhieb kaum jemand etwas anzufangen. Dabei hieß so ursprüngliche eine später unter einem Künstlernamen sehr bekannt gewordene Persönlichkeit: Schicklgruber war der bürgerliche Name von Adolf Hitler. Das Stück von Jan Veldman und Neville Tranter schildert Hitlers letzte Tage kurz vor seinem Selbstmord im Führerbunker in Berlin. Trotz der düsteren Thematik ist dieses Puppenstück aber natürlich ganz im Tranter-Stil ein grotesk-skurriler Abend, der zwar ins Herz der Finsternis führt, aber auch die beruhigende Tatsache zeigt, dass der Tod vor nichts und niemandem Halt macht – selbst vor dem Bösen nicht. Die beiden Puppenspieler Neville Tranter und Nikolaus Habjan verbindet über die Generationen hinweg seit vielen Jahren eine Freundschaft. Mit The Hills are Alive, das in der vergangenen Spielzeit im Deutschen Theater zu sehen war, erfüllten beide sich einen langgehegten Traum und standen das erste Mal gemeinsam auf der Bühne. Und im April 2024 erlebten wir einen bewegenden Moment, als Neville Tranter nach einer letzten Hills-Vorstellung seinen Abschied von der Bühne nahm. Der Altmeister des Klappmaul-Puppenspiels war in den 70er Jahren maßgeblich daran beteiligt, die Kunstform Puppenspiel für ein erwachsenes Publikum zu erschließen. Nach seiner aktiven Zeit als Puppenspieler übergibt er nun sein vielleicht bekanntestes Stück und die darin mitspielenden Puppen als Regisseur in die Hände von Nikolaus Habjan (und Manuela Linshalm), der damit das Werk seines Mentors weiterführt. Regie: Nikolaus Habjan, Neville Tranter Puppenbau: Neville Tranter Bühne: Julius Theodor Semmelmann Kostüme: Lisa Zingerle Dramaturgie: Karla Mäder Koproduktion zwischen dem Deutschen Theater und dem Theater in der Josefstadt Wien empfohlen ab Klasse 10 Wir bitten Lehrende sich im Vorfeld des Theaterbesuches mit dem geschichtlichen Kontext der Handlung auseinanderzusetzen. Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Kirill & Friends Company: Apocalypse Tomorrow

Deutsches Theater Berlin

Was macht man ein paar Tage vor dem Weltuntergang? Sechs Fremde mit unterschiedlichem Hintergrund sitzen gemeinsam in der Falle, während die Apokalypse näher rückt. Angst, Hoffnung, Schuldgefühle, unerwartete Solidarität – und jede Menge Humor – prallen in dieser physischen Theatergeschichte über die letzten Momente vor dem Ende aufeinander. Apocalypse Tomorrow verwebt Text, Bewegung und Musik zu einer düster-komischen und emotionalen Reise über Zeit, Verlust und die Entscheidungen, die wir treffen. In der Regie von Evgeny Kulagin und mit Choreografie von Ivan Estegneev verbindet Apocalypse Tomorrow physisches Theater, Musik und Text. Der Text der Aufführung entstand in einem kollektiven Improvisationsprozess unter der Leitung des Dramatikers Mikhail Durnenkov und schuf einen Raum, um Ängste, Hoffnungen und Emotionen zu erforschen, die sich oft der Sprache entziehen. Regie: Evgeny Kulagin Choreografie: Ivan Estegneev Bühne: Ksenia Peretrukhina Musik: Anthony Rouchier Sound Designer: Viacheslav Kasianov Licht: Ilya Pashnin, Daniil Moskovich Dramaturgie: Anna Shalashova auf Englisch, ohne Untertitel ab 18 Jahren Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, 0 Pausen
Aufführungen | Schauspiel

Die Physiker

Deutsches Theater Berlin

Stellen Sie sich vor, Sie entdecken die Weltformel. Eine Erkenntnis, die in den falschen Händen den Untergang der Menschheit bedeuten könnte. Was tun? Verkünden? Verbergen? Oder den Wahnsinn vortäuschen, um die Welt zu retten? Der Physiker Möbius entscheidet sich für den inszenierten Wahnsinn. Um diese Formel vor Missbrauch zu schützen, zieht er sich in ein Sanatorium – unter der Leitung von Dr. Mathilde von Zahnd – zurück. Dort kommt es zu zwei mysteriösen Morden an Krankenschwestern. Die Täter scheinen schnell gefunden. Doch bald zeigt sich: Nichts ist, wie es scheint. Dürrenmatt schrieb sein Stück im Schatten des Kalten Krieges und der atomaren Bedrohung und doch ist das Stück heute aktueller denn je. Die „Weltformel“ bleibt Symbol für jene wissenschaftlichen Erkenntnisse, deren Folgen sich nicht mehr kontrollieren lassen. In einer Zeit, in der Wissen Macht bedeutet – und Macht selten moralisch ist – stellt das Stück die unbequeme Frage: Wer trägt Verantwortung für das, was denkbar ist? Mit Werken wie Romulus der Große, Der Besuch der alten Dame und Die Physiker wurde Dürrenmatt zu einem der prägenden Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Regisseur Bastian Kraft, der am Deutschen Theater Berlin bereits Max Frischs Biografie: Ein Spiel , George Bernard Shaws Pygmalion sowie Tod eines Handlungsreisenden (2017), Der Besuch der alten Dame (2014) inszenierte, widmet sich dem Dürrenmatt-Klassiker, mit feinem Gespür für das Tragikomische und einem präzisen Blick auf die Abgründe unter der Oberfläche. Die Handlung entfaltet sich mit der Spannung eines Kriminalstücks; jede Szene ein Auslöser für die nächste, wie in einer Kettenreaktion. Im Zentrum steht die zentrale Frage: Ist eine Katastrophe noch aufzuhalten, wenn sie erst einmal als Möglichkeit in den Raum gestellt wurde? Und so wird Dürrenmatts Stück selbst zur dramatischen Kettenreaktion, in der das Unvermeidliche unaufhaltsam Form annimmt. Regie: Bastian Kraft Bühne: Peter Baur Kostüm: Jelena Miletić Musik: Björn SC Deigner Video: Jonas Link Licht: Cornelia Gloth Dramaturgie: Christopher-Fares Köhler empfohlen ab Klasse 10 Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, 0 Pausen
Aufführungen | Schauspiel

Sophie Rois fährt gegen die Wand im Deutschen Theater

Deutsches Theater Berlin

Bühnenfassung von Clemens Maria Schönborn "Ich kann mir erlauben, die Wahrheit zu schreiben; alle, denen zuliebe ich mein Leben lang gelogen habe, sind tot." Die Katastrophe kommt, weil wir sie träumen. Und wir träumen sie, weil wir sie fürchten und uns nach ihr sehnen. Wenn die Katastrophe eintritt, hören die peinigenden Phantasien auf. "Dass man weder empfinden noch denken darf, sondern handeln muss, ist die beste Therapie, wenn der Mensch an den Produkten des eigenen Vorstellungsvermögens irre wird." (Wolfgang Pohrt) Regie / Bühne: Clemens Maria Schönborn Kostüme: Tabea Braun Musik: Max Knoth Licht: Cornelia Gloth Dramaturgie: Bernd Isele Dauer: 1 Stunde 5 Minuten, keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Die Marquise von O. und –

Deutsches Theater Berlin

Es ist vielleicht der berühmteste Gedankenstrich der Weltliteratur: Mitten in einem nüchtern erzählten Satz über einen Kriegsüberfall heißt es in Heinrich von Kleists Novelle Die Marquise von O. : „––, dass sie, ohne es zu wissen, in andere Umstände gekommen sei.” Ein abrupter Schnitt – dort, wo eigentlich das Entscheidende stehen müsste. Statt Klarheit: Leerstelle. Die Handlung beginnt in einer norditalienischen Festung. Während russische Truppen die Stadt stürmen, gerät die Marquise von O., eine junge, verwitwete Mutter, in höchste Gefahr – bis ein Offizier, Graf F., sie scheinbar heldenhaft rettet. Wenige Tage später verschwindet er. Alles scheint überstanden. Doch Wochen danach erkennt die Marquise entsetzt: Sie ist schwanger. Ohne Erinnerung. Ohne Einwilligung. Und ohne jemanden, der ihr glaubt. Ihr Vater verstößt sie, die Mutter schweigt. Was wie ein medizinisches Wunder erscheinen mag, wird zum sozialen Todesurteil. Die Marquise wählt den einzigen Ausweg, der ihr bleibt: den Schritt in die Öffentlichkeit. Per Zeitungsanzeige bittet sie den unbekannten Vater, sich zu melden. Die Antwort folgt prompt – es ist der Retter selbst. Der Mann, der sie im Moment der Ohnmacht missbraucht hat, bittet nun um ihre Hand. Was also tun, wenn Sprache versagt? Wenn Recht, Moral und Logik kollabieren? Der berühmte Gedankenstrich markiert nicht nur einen erzählerischen Bruch, sondern auch einen kulturellen. Die Vergewaltigung wird nicht ausgesprochen, sondern ausgeklammert. Das, was geschehen ist, bleibt unausgesprochen, nur angedeutet – und genau darin liegt die verstörende Kraft des Textes. Kleist zeigt, wie sexualisierte Gewalt an Frauen sprachlich wie strukturell unsichtbar gemacht wird. Die Leerstelle im Satz ist kein literarisches Ornament, sondern ein Symptom: Sie zeigt, wo Sprache versagt – und wie tief die Gewalt reicht, wenn selbst das Erzählen daran scheitert. Regie: Ildikó Gáspár Bühne und Kostüm: Lili Izsák Musik: Flóra Lili Matisz Video: András Juhász Licht: Cornelia Gloth Dramaturgie: Jasmin Maghames Wir weisen darauf hin, dass dieses Theaterstück sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung und Traumabewältigung thematisiert. In diesem Stück kommen Stroboskop-Effekte zum Einsatz. ab Klasse 11 Dauer: 1 Stunde 55 Minuten, keine Pause

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