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Ausstellungen | Ausstellung

Ulay, Ulay & Abramović

Staatliche Museen zu Berlin

Vor fünfzig Jahren, am 12. Dezember 1976, „stahl“ Ulay Carl Spitzwegs Der arme Poet (1839) aus der Neuen Nationalgalerie und brachte das Gemälde in die Wohnung einer türkischen Gastarbeiterfamilie nach Berlin-Kreuzberg. Ein halbes Jahrhundert später greift die Neue Nationalgalerie diese grenzüberschreitende Intervention mit der Ausstellung „Ulay, Ulay & Abramović“ auf und bringt Ulays Werk an den Ort zurück, an dem eine seiner bedeutendsten Aktionen stattfand. Ulay gilt als einer der bedeutendsten deutschen Konzeptkünstler, ist einem breiteren Publikum in Deutschland jedoch bis heute weitgehend unbekannt. Die Ausstellung gibt Einblick in Ulays frühes künstlerisches Schaffen, darunter „S’he“ (1973–1974), eine Serie intimer Selbstporträts, die sich mit Identität und Transformation auseinandersetzt, sowie „FOTOTOT“ (1976), bei der unbelichtete bzw. nicht fixierte Fotografien unter Lichteinwirkung allmählich verschwinden. Die Arbeit ist Teil einer umfassenderen Reihe von Experimenten, in denen Ulay die vermeintliche Objektivität, Dauerhaftigkeit und den Beweischarakter des fotografischen Bildes hinterfragt und die Grenzen der Fotografie hin zur Performance und zu anderen Formen künstlerischer Aktionen erweitert. Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung die einzigartige Zusammenarbeit zwischen Ulay und Marina Abramović über einen Zeitraum von zwölf Jahren, von 1976 bis 1988. „Der arme Poet“ kehrt zurück Im Zentrum der Ausstellung steht Ulays Aktion von 1976 und deren filmische Dokumentation „Irritation – There is a Criminal Touch to Art“. Die Arbeit stellte das Museum als Ort kultureller Autorität infrage und richtete den Blick auf die gesellschaftlichen Realitäten jenseits des Museums. Indem Ulay Spitzwegs ikonisches Werk „Der arme Poet“ in die Wohnung einer türkischen Gastarbeiterfamilie brachte, stellte er im West-Berlin der 1970er-Jahre Vorstellungen von kultureller Repräsentation, Zugehörigkeit und Ausschluss infrage. Fünf Jahrzehnte später bringt die Neue Nationalgalerie die Arbeit in einen Dialog mit einer Version von „Der arme Poet“, die aus dem Grohmann Museum in Milwaukee als Leihgabe gezeigt wird. Gemeinsam eröffnen die Werke neue Perspektiven auf künstlerische Interventionen, institutionelle Rahmenbedingungen sowie unterschiedlich erfahrene Lebensumstände und Umgebungen. Ulay und Marina Abramović 1975 lernten sich Ulay und Marina Abramović in Amsterdam kennen und entwickelten bald eine enge persönliche und künstlerische Partnerschaft. Zwischen 1976 und 1988 realisierten die beiden Künstler*innen wegweisende Performances, in denen sie ihre Körper als Medium einsetzten, um Fragen von Identität und institutionellen Grenzen zu untersuchen. Ihre Zusammenarbeit begann mit „Relation in Space“ (1976), das im Rahmen der 38. Biennale di Venezia aufgeführt wurde und in dem sie körperliche Begegnung, Wiederholung und gegenseitige Präsenz erforschten. Ihren Höhepunkt fand sie in „The Lovers“ (1988), ihrer 90-tägigen Reise entlang der Chinesischen Mauer. Die Ausstellung vereint Videos, Fotografien, Skulpturen und Zeichnungen sowie Skizzen und Briefe sowie eine Live-Performance von „Imponderabilia“ (1977), einer wegweisenden Performance von Ulay und Marina Abramović. Darin stehen die beiden Künstler*innen nackt einander zugewandt in einem schmalen Eingang und laden die Besuchenden ein, zwischen ihren Körpern hindurchzugehen. Die Performance wird täglich von 15 bis 16:30 Uhr in der Ausstellung aufgeführt. Gemeinsam geben die Arbeiten nicht nur Einblick in die Performances selbst, sondern auch in die dahinterliegenden Prozesse, Diskussionen und Überlegungen. Sie zeigen, wie Ulay und Marina Abramović ihre künstlerische Praxis in den Alltag integrierten und dabei Zusammenarbeit und Selbstrepräsentation neu definierten. Zugleich stellten sie etablierte Vorstellungen von Autor*innenschaft und Individualität sowie die Grenzen zwischen Kunst und Leben infrage. Ihre Arbeiten untersuchten Verletzlichkeit, Ausdauer, Vertrauen und gegenseitige Abhängigkeit und gelten als Meilensteine der Performancekunst. Die Ausstellung wird von der Neuen Nationalgalerie anlässlich des 50. Jahrestags von Ulays Performance „Irritation – There is a Criminal Touch to Art“ organisiert. Sie zeigt eine Auswahl von Ulays Einzelwerken im Kontext dieser wichtigen Phase seiner künstlerischen Praxis. Darüber hinaus präsentiert sie ausgewählte Materialien und Kunstwerke aus „ART VITAL – 12 Years of Ulay / Marina Abramović“, ursprünglich konzipiert von Alenka Gregorič und Felicitas Thun-Hohenstein und erstmals in der Cukrarna Gallery / MGML (30. November 2025–10. Mai 2026) gezeigt, in Zusammenarbeit mit Lena Pislak – ULAY Foundation und Sydney Fishman – Marina Abramović Archives. Kuratorisches Team: „Ulay, Ulay & Abramović“ wird von Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie, gemeinsam mit Ricarda Bergmann, Neue Nationalgalerie, sowie Alenka Gregorič, künstlerische Leiterin der Cukrarna Gallery, kuratiert. Kuratorische Assistenz: Nikola Richolt. Ausstellungsimpressum: Bildung und Vermittlung: Felicitas Fritsche-Reyrink, Julia Freiboth Restaurierung: Hana Streicher, Ella Dudew Kommunikation: Markus Farr, Maribel Nicolás Cabello Sammlungsverwaltung: Paul Markus, Torsten Neitzel Art Handling: Lutz Bertram Ausstellungstechnik und Objektbetreuung Architektur: LICHTblick Bühnentechnik Ausstellungsgrafik: Any Studio Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Bild: Ulay, IRRITATION – THERE IS A CRIMINAL TOUCH TO ART, Detail, 1976, Filmstill © Ulay. Courtesy ULAY Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2026)
Ausstellungen | Ausstellung

„BIZARR“ - Die Geschichte des verrücktesten Wortes der Welt

Staatliche Museen zu Berlin

Seit mehr als 700 Jahren bezeichnet das Wort „bizarr“ Phänomene, die die vertraute Ordnung der Welt radikal in Frage stellen: psychische Ausnahmezustände und Träume, Naturwunder, Monster, kühne Ideen und erstaunliche Erfindungen. Erstmals erzählt eine Ausstellung die ganze Geschichte dieses Wortes – mit historischen Quellen und zahlreichen Gemälden, Zeichnungen und Grafiken. Die Geschichte beginnt in Dantes Inferno mit einem Höllenbewohner, der sich in rasender Wut selbst zerfleischt, und endet 700 Jahre später mit einer überraschenden Umkehrung: Die Wirklichkeit selbst wird bizarr. Die Ausstellung verfolgt die ungewöhnliche Karriere des Wortes „bizarr“ von seinem ersten Erscheinen in Dantes Inferno über die Buch- und Bilderwelten der Renaissance bis zur Bewusstseinstheorie und Kosmologie des 21. Jahrhunderts. Zu sehen sind bislang selten oder noch nie gezeigte Zeichnungen, Druckgrafiken, Bücher aus den Museumssammlungen der Kunstbibliothek sowie Meisterwerke der Gemäldegalerie, der Alten Nationalgalerie und des Kupferstichkabinetts. Die Akteure dieser Geschichte bilden eine denkbar bunte Gesellschaft: unter anderen Dante Alighieri (1265–1321), Hieronymus Bosch (um 1450–1516), Michelangelo (1475–1564), Piero di Cosimo (1462–1522), Francisco de Goya (1746–1828), Frank Zappa (1940–1993) und am Ende Superman mit seinem verrückten Gegenbild „Bizarro“ aus dem Universum „Bizarro World“. Ausstellung in acht Sektionen In acht Sektionen erzählt die Ausstellung, wie Worte und Bilder über Jahrhunderte unsere Vorstellung vom Bizarren formten – und erschließt dabei eine fantastische, vielfach noch unbekannte Bilderwelt der Kunstgeschichte. Furor Die Geschichte des Wortes beginnt mit einem Wutexzess. In Dantes Inferno erscheint „bizarr“ Anfang des 14. Jahrhunderts erstmals auf der großen Bühne der Literatur: als Bezeichnung für die Seele eines Florentiner Adligen („El fiorentino spirito bizarro“), der sich in rasender Wut in der Hölle selbst zerfleischt. Das Wort geht vermutlich auf „bizza“ zurück, einen lautmalerischen Ausdruck für einen plötzlichen Zornausbruch. In der Renaissance wurde der Furor zugleich zum Sinnbild kreativer Schaffenswut. Als „bizarr“ galten nun auch Künstler, deren entfesselte Fantasie Werke jenseits des Vorstellbaren hervorbrachte. So verwandelte sich eine Bezeichnung für den Verlust der Selbstkontrolle in ein Gütesiegel schöpferischer Kühnheit. Traum Der Traum ist der Furor des Schlafes. Wie der Wahnsinn erzeugt er im Kopf eine Wirklichkeit, die nicht den Regeln der Wachwelt gehorcht. Schon im 16. Jahrhundert sprang die Bezeichnung „bizarr“ deshalb vom Furor auf den Traum über. Besonders die Werke von Hieronymus Bosch galten als Traumbilder und Schöpfungen „bizarrer Dinge“. Die Sektion „Traum“ zeigt, wie diese „bizarren“ Traumfantasien der Renaissance unsere Vorstellung von der Gegenwelt der Träume bis heute prägen. Im 20. Jahrhundert wurde „bizarreness“ schließlich zu einem Fachbegriff der Psychologie: Mit ihm beschreibt die Traumforschung, wie stark ein Traum von der persönlichen Wachwirklichkeit abweicht. Capriccio In der Renaissance galt der menschliche Geist als ebenso sprunghaft wie eine Ziege – italienisch „capra“. Menschen, die ihre Gedanken und Gefühle nicht beherrschten, wurden als „kapriziös“ bezeichnet. Um 1600 machten Künstler aus dieser Unberechenbarkeit eine kreative Methode, das „Capriccio“. Im Capriccio ließen sie den Bildern in ihren Köpfen freien Lauf und bannten den Einfall auf Papier. Das Wort „bizarr“ wurde zum Versprechen einer Kunst jenseits der Konventionen. Eine der kühnsten Capriccio-Serien des 17. Jahrhunderts trägt den Titel Bizzarie di varie figure (1624). Ihr Schöpfer Giovanni Battista Bracelli (um 1584–1650) wurde drei Jahrhunderte später von dem Dadaisten Tristan Tzara (1896–1963) als ein Prophet der Moderne gefeiert. Groteske Grotesken verbinden Architektur, Kunsthandwerk sowie Tier- und Pflanzenformen zu fantastischen Bildwelten. Ihren Namen verdanken sie den „Grotten“ verschütteter römischer Ruinen, in denen Ende des 15. Jahrhunderts antike Wandmalereien entdeckt wurden. Im flackernden Fackellicht schienen diese rätselhaften Ornamente wie die Bilder eines Traumes. Der Kunsttheoretiker Daniele Barbaro (1514–1570) bezeichnete Grotesken deshalb als die „Träume der Malerei“. Für das Wort „bizarr“ eröffnete sich damit ein neues Wirkungsfeld. Es kennzeichnete nun vor allem jene Werke, in denen Künstler die konventionelle Kunst mit einer besonderen Mischung aus Furor und träumerischer Fantasie übertrafen. Staunen Das Bizarre fällt aus dem Gewohnten heraus. Es überrascht, fesselt die Aufmerksamkeit und bleibt im Gedächtnis – ein Phänomen, das die moderne Wahrnehmungspsychologie als „bizarreness effect“ bezeichnet. Seit Jahrhunderten brechen Menschen gezielt mit Konventionen, um Staunen hervorzurufen und sich als einzigartig zu inszenieren. Im Barock wurde diese Strategie zu einem gesellschaftlichen Phänomen: In Kunst, Mode und öffentlichem Auftreten wetteiferten Männer und Frauen um Originalität. Auch Frank Zappa setzte mit seinem 1968 gegründeten Musiklabel BIZARRE auf diese Strategie, um sich vom Mainstream abzuheben. Chimäre Chimären sind Wesen, die Merkmale unterschiedlicher Organismen in sich vereinen. Seit der Renaissance faszinieren sie Kunst und Wissenschaft, weil sie jede eindeutige Zuordnung verweigern. „Bizarr“ wurde zum Etikett für solche Grenzwesen und für eine Fantasie, welche die bekannte Tier- und Pflanzenwelt immer wieder neu zusammensetzt. Auch Menschen können sich mit Masken in Chimären verwandeln, um andere Identitäten anzunehmen. In dieser Tradition gewann die Bedeutung des Bizarren im 20. Jahrhundert eine neue Dimension: Das Wort bezeichnete nun nicht mehr nur fantastische Abweichungen von der Natur, sondern zunehmend auch Formen freier Selbstbestimmung. Gelächter Lachen entzündet sich häufig an Ereignissen, die aus dem Rahmen fallen: an Missgeschicken, Übertreibungen oder Anstößigkeiten. Zugleich ist das Lachen selbst eine Störung. Es bricht plötzlich hervor und lässt sich nur schwer kontrollieren. Wie Furor, Traum und Groteske konnte das Komische bestehende Ordnungen infrage stellen. Für die Verbreitung des Wortes „bizarr“ bot es daher ideale Bedingungen. Die im 17. Jahrhundert noch ganz junge Bildgattung der Karikatur wurde als „invenzione bizzarissima“ bewundert, und die Komödien wimmelten von „bizarren“ Charakteren. Lachbilder wurden unter dem Label „bizarria da ridere“ (Bizarrerie zum Lachen) gehandelt. Bizarro World Die Geschichte des Bizarren folgt einem markanten Muster: Das Wort siedelt sich überall da an, wo die vertraute Welt Risse bekommt und geltende Logiken versagen. Lange blieb das Bizarre jedoch die Ausnahme von der Regel, ein Störfall in einer geordneten Wirklichkeit. Nur die Satire wagte es, die ganze Welt ins Bizarre zu verkehren. Die letzte Sektion der Ausstellung versammelt eine Auswahl der kühnsten und fantastischsten dieser kosmologischen Bildsatiren. Im 21. Jahrhundert wird aus Spaß und Humor allerdings Ernst. Physik und Neurowissenschaften stellen die Frage, ob nicht einzelne Erscheinungen, sondern unsere klassischen Weltbilder „bizarr“ sind. In der Theorie der „Universal Bizarreness“ des amerikanischen Philosophen Eric Schwitzgebel (geb. 1968) vollzieht sich die entscheidende Umkehrung: Das Bizarre wird zum neuen Normalzustand – und die vermeintliche Normalwelt selbst erscheint bizarr. Das Schlüsselbild für diese kosmische Eskalation liefert Hieronymus Bosch. Sein doppelseitiges Gemälde aus der Gemäldegalerie zeigt auf der Vorderseite eine harmonische Welt mit dem Evangelisten Johannes. Auf der Rückseite ist diese Normalwelt zu einer bizarren Blase in einem Kosmos geschrumpft, in dem die Mächte des Chaos regieren. Mit diesem Werk verabschiedet die Ausstellung ihr Publikum: Die Reise durch die Geschichte des Wortes „Bizarr“, die mit einem rasenden Menschen in Dantes Hölle begann, endet in einem verrückten Universum. Ein reich bebilderter Ausstellungskatalog bündelt die umfangreiche Forschungsarbeit, auf der die Ausstellung beruht, und rekonstruiert erstmals die Karriere des Wortes „bizarr“. Zahlreiche Geschichten, Quellen und Objekte, die in der Ausstellung keinen Platz finden konnten, erweitern darin das Panorama des Bizarren: „BIZARR“: Die Geschichte des verrücktesten Wortes der Welt, herausgegeben von Moritz Wullen, circa 256 Seiten, circa 160 Farb- und S/W-Abbildungen, deutsch/englisch, Hardcover, E. A. Seemann Verlag, Leipzig 2026, 49 Euro Ein Audioguide und ein Podcast begleiten die Ausstellung durch ihre acht Sektionen. Darin erkunden der Kriminalbiologe Mark Benecke und Moritz Wullen, Direktor der Kunstbibliothek und Kurator der Ausstellung, gemeinsam die Geschichte des Bizarren und fragen, wo es uns heute begegnet. Im Gespräch schlagen sie den Bogen von Dantes Inferno bis zu den Abgründen und Merkwürdigkeiten der Gegenwart. Eine Sonderausstellung der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin (Bild: Illustration aus: Jean-Jacques Grandville, Un autre Monde, Paris 1844, S. 142, Detail Fotonachweis: Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek)
Ausstellungen | Ausstellung

Klangkörper – Variationen über ein Thema der Kunst.
Eine Musik-Intervention im Bode-Museum

Staatliche Museen zu Berlin

Die Ausstellung „Klangkörper“ spürt dem Sound ausgewählter Objekte im Bode-Museum nach – von spätantiken Textilien, mittelalterlichen Engelschören bis hin zu Antonio Canovas „Tänzerin“. Als Zusammenarbeit der Skulpturensammlung und des Museums für Byzantinische Kunst mit dem Hamburger Bahnhof und dem Musikinstrumenten-Museum, erkundet die Intervention den Dialog zwischen plastischer Kunst sowie Klang und Bewegung. Historische und moderne Musikinstrumente treten in Beziehung zu Kunstwerken, in denen Musik dargestellt ist. Dabei entstehen faszinierende Gegenüberstellungen, unerwartete Einblicke und sinnliche Erlebnisse, die Kunst sichtbar und hörbar machen. Eine Sonderausstellung von Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, dem Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart – Staatliche Museen zu Berlin sowie dem Musikinstrumenten-Museum des Staatlichen Instituts für Musikforschung – Preußischer Kulturbesitz (Bild: Violine, F. Krolikowski, Foggia (Italien), 1946, Plexiglas. Liebhaberarbeit, in Kriegsgefangenschaft hergestellt © SIMPK/Barnes Ziegler)
Ausstellungen | Ausstellung

Sophie Calle: Is It Better?

Staatliche Museen zu Berlin

Sophie Calle zeigt ihre erste Einzelausstellung in Berlin seit über 20 Jahren im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Sechs Werkkomplexe der letzten drei Jahrzehnte aus Fotografie, Text, Installation und Video geben einen Einblick in die Medienvielfalt der französischen Konzeptkünstlerin. Calle befasst sich oft autobiografisch, düster aber zugleich humorvoll mit den Auswirkungen von Erinnerung, Verlust und Geschichte. Anlässlich des 30. Jubiläums des Museums entsteht ein neues Werk, das als Schenkung in die Sammlung des Hamburger Bahnhof eingeht. Ausgangspunkt von Sophie Calles Einzelausstellung ist ein Werk der Serie „Die Entfernung“ aus der Sammlung des Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Die Serie entstand in Berlin 1996, dem Gründungsjahr des Museums. Die zwölf Fotografien zeigen öffentliche Orte in Berlin, an denen Symbole der DDR nach der Wiedervereinigung entfernt wurden, verbunden mit Beschreibungen von Passant*innen. Erstmalig nach ihrem Entstehen für das Musée d‘Orsay in Paris wird außerdem die raumgreifende Installation „Les fantômes d’Orsay“ (2022) ausgestellt. Zwischen 1978 und 1981 hielt sich Calle fast täglich in Zimmer 501 des verlassenen Hotels im ehemaligen Bahnhof Gare d’Orsay auf, der wie der Hamburger Bahnhof zum Kunstmuseum wurde. Die Installation vereint gefundene Objekte sowie Fotografien und Texte. Sophie Calle (geboren 1953 in Paris) lebt und arbeitet in Malakoff, Frankreich. Sie arbeitet in den Medien Fotografie, Text, Performance und Video und beschäftigt sich mit Themen wie Voyeurismus, Überwachung, Liebe, Intimität, Gewalt und Tod. In den meisten ihrer konzeptionell angelegten Werkserien kombiniert sie Bild und Schrift. 2007 vertrat sie Frankreich auf der Biennale di Venezia. Internationale Museen zeigten ihre Werke, unter anderem Art Institute of Chicago, Centre Pompidou Paris, Musée d’Orsay Paris, Tate Britain London, Hara Museum Tokyo, Museo de Arte Contemporáneo de Santiago, Musée Picasso. Calles Werke befinden sich in bedeutenden Sammlungen wie dem Metropolitan Museum of Art und dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York sowie dem Louisiana Museum (DNK) und der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin. Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Ausgabe der Katalogreihe des Hamburger Bahnhof, herausgegeben von Silvana Editoriale. Die Ausstellung wird kuratiert von Sam Bardaouil, Direktor des Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart und Lisa Hörstmann, Kuratorin am Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Die Ausstellung eröffnet zum Jubiläumswochenende 30 Jahre Hamburger Bahnhof vom 13. bis 15. November 2026. Der Hamburger Bahnhof feiert 2026 sein 30-jähriges Bestehen mit einem Programm, das den Bogen von der Geschichte des Ortes bis in die Zukunft spannt: Acht Sonderausstellungen, eine neue Sammlungspräsentation sowie Performances und Konzerte tragen das Museum weit in den Stadtraum hinaus. Am Jubiläumswochenende vom 13. bis 15. November 2026 findet eine internationale Konferenz zur Zukunft zeitgenössischer Sammlungsmuseen statt, und das Haus ist für 30 Stunden durchgehend geöffnet. Die Ausstellung wird unterstützt von den Hamburger Bahnhof International Companions e. V. und der Alexander Tutsek-Stiftung. Die Abbildungen der Werke von Sophie Calle sind urheberrechtlich geschützt. Eine Vervielfältigung ist nicht gestattet. Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin (Bild: Sophie Calle, DDR Wappen (Palast der Republik), 1996, Farbfotografie und Buch, 2-teilig, 120 x 90 x 4 cm (Bild), Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Dauerleihgabe der Commerzbank © Sophie Calle. VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Courtesy of the artist and Arndt Art Agency. Foto: Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart / Thomas Bruns)
Ausstellungen

neue Veranstaltung

Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum

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Next Door

Staatliche Museen zu Berlin

Tacita Dean, Thomas Demand, Olafur Eliasson, Henrik Håkansson und Tomás Saraceno kehren zurück zum Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart: In den frühen 2000er Jahren hatten sie Ateliers in angrenzenden Lagerhäusern. Diese Relikte der Berliner Industriegeschichte wurden teilweise in das Museumsgebäude integriert. 20 Jahre später treffen sich die fünf Künstler*innen anlässlich des 30. Jubiläums des Hamburger Bahnhof und zeigen in der Gruppenausstellung „Next Door“ neue und großformatige Werke. Das Wiedersehen bringt unterschiedliche künstlerische Werdegänge zusammen, die an diesem gemeinsamen Arbeitsort ihren Ausgangspunkt nahmen. Für die Gruppenausstellung „Next Door“ im Hamburger Bahnhof arbeiten Tacita Dean und Bruce Nauman an einem neuen Film, der sich auf Naumans ortspezifische Installation „Room with My Soul Left Out, Room That Does Not Care“ (1984/2010) am Ende der Rieckhallen bezieht. Thomas Demand lässt Pavillons mit großformatigen Fotografien durch den Raum schweben. Olafur Eliasson übersetzt Audiowellen in visuelle Phänomene, in denen überblendende Lichtkreise auf eine Klangkomposition reagieren. Henrik Håkanssons Videoinstallation untersucht ökologische Systeme anhand einer Choreographie des Flügelschlags eines Schmetterlings. Tomás Saraceno zeigt erstmals seit über 15 Jahren die Installation „14 Billions (Working Title)“ sowie eine fortlaufende Recherche zu Spinnennetzen und wie aus Spinnenangst (Arachnophobie) Spinnenliebe (Arachnophilie) wird. Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Ausgabe der Katalogreihe des Hamburger Bahnhofs, herausgegeben von Silvana Editoriale Milano. Die Ausstellung wird kuratiert von Sam Bardaouil, Direktor Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart und Ulya Soley, Kuratorin am Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Die Ausstellung ist Teil des Jubiläumsprogramms „30 Jahre Hamburger Bahnhof“. 2026 feiert der Hamburger Bahnhof sein 30-jähriges Bestehen mit einem Programm, das den Bogen von der Geschichte des Ortes bis in die Zukunft spannt: Acht Sonderausstellungen, eine neue Sammlungspräsentation sowie Performances und Konzerte tragen das Museum weit in den Stadtraum hinaus. Höhepunkt ist das Jubiläumswochenende vom 13. bis 15. November, an dem eine internationale Konferenz zur Zukunft zeitgenössischer Sammlungsmuseen stattfindet und das Haus für 30 Stunden durchgehend geöffnet ist. Die Ausstellung wird unterstützt von den Hamburger Bahnhof International Companions e. V. Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin (Bild: Tomás Saraceno, 14 Billions (Working Title), 2010. Installaton view at Bonniers Konsthall, Stockholm © Photo: Studio Tomás Saraceno; Courtesy of the artist with Arachnophilia and neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York; Andersen’s, Copenhagen; Pinksummer Contemporary Art, Genoa; Ruth Benzacar Gallery, Buenos Aires)
Ausstellungen | Ausstellung

Über Zeiten - Gursky, Lucas, Miró, Warhol und die Kunst des langen 19. Jahrhunderts

Staatliche Museen zu Berlin

In der Sonderpräsentation der Alten Nationalgalerie begegnen sich im Haus punktuell Werke von Künstlern des langen 19. und späten 20. Jahrhunderts. 1876 wurde die Nationalgalerie als Haus für zeitgenössische Kunst eröffnet. Heute ist sie unter dem Namen Alte Nationalgalerie das Stammhaus der Nationalgalerie und das Museum für die Kunst des langen 19. Jahrhunderts. Alle inzwischen sechs Häuser der Nationalgalerie eint eine gemeinsame Sammlung, von der Alten Nationalgalerie über die Neue Nationalgalerie bis hin zur Nationalgalerie der Gegenwart – Hamburger Bahnhof. Im Jubiläumsjahr bietet die Alte Nationalgalerie auf allen drei Etagen punktuelle Begegnungen von Werken des 20. Jahrhunderts und Arbeiten von Gegenwartskünstler*innen mit der Kunst des 19. Jahrhunderts und lädt zum assoziativen Schauen ein. Eine Sonderpräsentation der Alten Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, ermöglicht durch die FREUNDE der Nationalgalerie und großzügig unterstützt durch die Eva Leinemann Kunststiftung.
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Dschingis Khan und die Welt der Mongolen

Staatliche Museen zu Berlin

2027 jährt sich das Todesjahr Dschingis Khans, des Begründers des mongolischen Weltreiches, zum 800. Mal. Aus diesem Anlass stellt das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin diese zentrale Herrscherfigur in den Fokus einer großen Ausstellung und beleuchtet archäologisch die hierzulande nahezu unbekannte Welt der Mongolen. In der Ausstellung werden hochrangige Exponate aus einem halben Jahrtausend reiternomadischer Lebenswelten in bisher noch nicht gesehener Vielfalt gezeigt. Archäologische Schätze aus der Mongolei, von denen viele noch nie in einer Ausstellung außerhalb der Mongolei zu sehen waren, werden bereichert durch Leihgaben aus Polen und Rumänien sowie aus dem Deutschen Historischen Museum, aus der Staatsbibliothek zu Berlin und aus anderen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin. Sie geben einzigartige Einblicke in das „Mongolischen Jahrhundert“, das zwischen 1250 und 1350 die Welt nachhaltig veränderte. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Ergebnisse der mongolisch-deutschen Forschungen der letzten beiden Jahrzehnte, die unsere Vorstellungen vom Reich der Mongolen in vielerlei Hinsicht revidiert und erweitert haben. Die Eröffnung der Ausstellung in Berlin im Oktober 2026 wird in Anwesenheit des mongolischen Präsidenten im Rahmen eines Staatsbesuches in Deutschland stattfinden. Die Gesamtleitung des Ausstellungsprojektes liegt bei Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin. Kuratoren der Ausstellung sind Jan Bemmann (Universität Bonn) sowie Heino Neumayer, Anton Gass und Benjamin Wehry (Museum für Vor- und Frühgeschichte). In Kooperation mit: Chinggis Khaan National Museum; Mongolian Academy of Science Gefördert durch: Hauptstadtkulturfonds; Gonvernment of Mongolia - Ministry of Culture, Sports, Tourism and Youth; MIAT Mongolian Airlines (Bild: Reenactment mongolischer Krieger © Ghenggis Khaan National Museum)
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Porträts! Überraschende Begegnungen von Botticelli bis Lempicka

Staatliche Museen zu Berlin

Wie sehen wir uns selbst – und wie wollten Menschen zu verschiedenen Zeiten gesehen werden? Mit der großen Sonderausstellung „Porträts! Überraschende Begegnungen von Botticelli bis Lempicka“ lädt die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin zu einer faszinierenden Reise durch die Geschichte des Bildnisses ein. Ungewöhnliche Gegenüberstellungen von Werken aus sechs Jahrhunderten offenbaren verblüffende Gemeinsamkeiten, lassen die Werke auf neue Weise lebendig werden und bieten die Möglichkeit, über Fremd- und Selbstdarstellung, Inszenierung, Rolle und Charakter nachzudenken. Dabei treffen Meisterwerke von Künstler*innen wie Botticelli und Lempicka, Dürer und Giorgione, Mino da Fiesole und Rogier van der Weyden oder Rubens und Gainsborough aufeinander. Das besondere Konzept: Bildnisse aus unterschiedlichen Jahrhunderten, Regionen und Kulturen kommen in Paaren zusammen und sprechen miteinander. Werke, die sich bisher nie begegnet sind, stehen sich in der Ausstellung erstmals gegenüber und ermöglichen eine frische Auseinandersetzung mit Aspekten wie Identität, Schönheit, Status oder Macht. Die neuen Konstellationen stellen nicht nur vertraute Erzählungen der Kunstgeschichte infrage, sondern machen sichtbar, wie eng individuelle Darstellung und gesellschaftliche Ordnung miteinander verknüpft sind. Denn Porträts sind mehr als nur Abbilder des Äußeren von Menschen. Sie erzählen von Selbstverständnis und Charakter, von Emotion und Inszenierung. Kleidung, Haltung und Accessoires sind Codes sozialer, politischer oder geschlechtlicher Zugehörigkeit. Porträts waren und sind ein wirkmächtiges Mittel der sozialen Repräsentation. Durch die Gegenüberstellung von Bildnissen aus unterschiedlichen Regionen und Zeiten werden künstlerische Entscheidungen und visuelle Strategien in der eigenen Anschauung für die Besucher*innen unmittelbar nachvollziehbar und verständlich. In den überraschenden Begegnungen der Werke offenbaren sich Unterschiede in der Gleichzeitigkeit ebenso wie Gemeinsamkeiten in der Ungleichzeitigkeit. Rund 90 Meisterwerke in vier Ausstellungskapiteln Ausgangspunkt der Ausstellung ist die international herausragende Sammlung von Bildnissen der Gemäldegalerie, die durch ausgewählte Leihgaben aus anderen Häusern der Staatlichen Museen zu Berlin ergänzt wird – darunter der Alten Nationalgalerie, der Neuen Nationalgalerie, dem Ägyptischen Museum und der Skulpturensammlung. So entsteht ein vielstimmiges Panorama der Porträtkunst vom 15. bis ins 20. Jahrhundert. Rund 90 Meisterwerke von Künstler*innen wie Petrus Christus, Mino da Fiesole, Botticelli, Giorgione, Dürer, Cranach d. Ä., Holbein d. J., Sofonisba Anguissola, Rembrandt, Zurbarán, Anna Dorothea Therbusch und Tamara de Lempicka breiten eine große Vielfalt der unterschiedlichen Aspekte des Bildnisses aus – vom glanzvollen Herrscherporträt über intime Freundschaftsbilder bis zu stolzen Selbstzeugnissen. Jede Begegnung erzählt eine eigene Geschichte, jede Gegenüberstellung lädt zum Staunen, Vergleichen und Entdecken ein. In vier Ausstellungskapiteln werden verschiedene Formen und Funktionen des Porträts in den Blick genommen. Ein Prolog verweist auf die erstaunlichen, viele Jahrhunderte überbrückenden Konstanten einer mimetischen Bildniskunst und beleuchtet außerdem die Wurzeln der Gattung in Europa. Porträttypen diesseits und jenseits der Alpen Das Kapitel zeichnet die Herausbildung der Porträtkunst in Italien und dem Norden während der Renaissance nach. Verschiedene Grundtypen, etwa das nördliche Dreiviertelprofil bei Rogier van der Weyden und das strenge Profil bei Filippo Lippi, sowie die unterschiedlichen Tendenzen zum Naturalismus und zur Idealisierung durchdringen einander schon bald und bestimmen die Entwicklung der Porträtkunst in den folgenden Jahrhunderten. Selbstdarstellung der Elite Bildnisse waren ein wirkmächtiges Mittel der sozialen Repräsentation und Distinktion. Kleidung, Posen, aber auch die schiere Größe einer Darstellung bekunden Ansprüche und Stellung der Dargestellten. Die Herzogin Margarete von Parma von Anthonis Mor erscheint ebenso im repräsentativen Kniestück und mit herrscherlichem Blick wie Moronis Edelmann Don Gabriel de la Cueva. Familie, Freundschaft und Intimität Demgegenüber widmet sich das Kapitel zu Familie, Freundschaft und Intimität den privaten Aspekten des Bildnisses. Verwandte, nahestehende und geliebte Menschen werden in Bildern festgehalten, die der persönlichen Erinnerung dienen – Sofonisba Anguissolas Mutter Bianca blickt ähnlich vertraut zu ihrer malenden Tochter wie 380 Jahre später die Frau des Malers Eugen Spiro zu ihrem Mann. Bildnisse von Toten halten den letzten Blick auf Verstorbene fest. Bildnisse von Kunstsammler*innen und Künstler*innen In einem abschließenden Kapitel werden Bildnisse von Kunstsammler*innen und Künstler*innen betrachtet. Selbstbildnisse dienen über Jahrhunderte hinweg der Selbsterforschung, aber auch der Verortung der eigenen Person und des eigenen Schaffens in Traditionszusammenhängen. Tizian und Therbusch tragen Seidengewänder und verweisen auf ihren gehobenen gesellschaftlichen Stand, Rembrandt und Graff dagegen zeigen sich im Moment spontaner Selbstbetrachtung. Reflexionen über das „Ich“ im Zeitalter von Selfies „Porträts!“ ist mehr als eine kunsthistorische Ausstellung, sie ist zugleich eine Reflexion über unsere heutige Bilderwelt: Wie konstruieren wir Identität im Zeitalter von Selfies und Social Media? Wie lesen wir Gesichter? Und was verrät unser Blick über uns selbst? Nirgends lassen sich diese aktuellen Fragen besser studieren und verstehen als im Spiegel von Meisterwerken der Vergangenheit. Es erscheint ein reich bebilderter Katalog, der die Werke und ihre wechselseitigen Bezüge vertiefend vorstellt. Die Ausstellung wird kuratiert von Sven Jakstat und Stephan Kemperdick unter Mitarbeit von Marie-Luise Hugler. Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung der Länder, die Fondation Etrillard, den Kaiser Friedrich Museumsverein und die Fontana Stiftung. Eine Sonderausstellung der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin (Bild: Sebastiano del Piombo, Junge Dame mit Fruchtkorb, Detail, 1512/13 | Wilhelm Schadow, Italienerin, Detail, 1831 Fotonachweise: Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders | Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie / Andres Kilger)
Ausstellungen | Ausstellung

Rubens, Jordaens, van Dyck
Flämische Meisterzeichnungen

Staatliche Museen zu Berlin

Erstmals nach fünfzig Jahren präsentiert das Kupferstichkabinett wieder eine Ausstellung mit mehr als 100 herausragenden Zeichnungen von 28 flämischen Künstlern aus seinem Bestand. Die oft erstaunlich malerischen, kraftvollen Zeichnungen entstanden zwischen 1570 und 1650 und erlauben faszinierende Einblicke in den kreativen Schaffensprozess. Die beeindruckende Breite der Themen reicht von christlichen und allegorischen Szenen über mythologische und historische Motive bis hin zu Genreszenen, Porträts, Stillleben und Landschaften. Antwerpen als Kunstmetropole Die Zeit zwischen 1580 und 1660 war geprägt durch fortwährende Auseinandersetzungen der europäischen Mächte einerseits und der religiösen Lager andererseits sowie durch die Entstehung eines weltumspannenden Handelsnetzes. In dieser krisenhaften Epoche entwickelte sich Antwerpen im späten 16. Jahrhundert zum wichtigsten europäischen Handelszentrum und zum Hotspot der Kunstproduktion. Rubens, Jordaens, van Dyck Im Zentrum der Ausstellung stehen Werke der drei großen Protagonisten des Antwerpener Barock: hinreißende Zeichnungen von Peter Paul Rubens, kraftvoll-sinnliche Arbeiten von Jacob Jordaens und kühne Skizzen des Anton van Dyck. Peter Paul Rubens – Maler, Sammler, Humanist, Diplomat – war die dominierende Künstlerpersönlichkeit der Zeit. Einige der ausgestellten Künstler erlernten bei ihm das Malerhandwerk, fast alle kooperierten mit ihm auf die eine oder andere Weise. Nach seiner Rückkehr aus Italien 1609 festigte Rubens seinen Ruf als bedeutendster Historienmaler der Stadt mit einer Reihe großformatiger Altargemälde und Historienbilder in leuchtenden Farben und in einem neuen, dramatischen Stil. Jacob Jordaens lernte wie Rubens bei Adam von Noort. Er unterstützte Rubens bei umfangreichen Aufträgen, etwa bei der mehr als hundert Gemälde umfassenden mythologischen Serie für den spanischen König. Jordaens war früh erfolgreich und stieg nach Rubensʼ Tod zum wichtigsten Maler Antwerpens auf. Anton van Dyck galt als künstlerisches Wunderkind. Mit sechzehn Jahren kam er als ausgebildeter Maler in Rubensʼ Werkstatt, sog dessen kreatives Schaffen ein, kopierte, zeichnete, malte und entwickelte eine zunächst auf Rubens aufbauende, bald aber unabhängige künstlerische Handschrift, bis er ab 1621 eigenständige Wege ging und 1632 als Hofmaler und herausragender Porträtist nach London berufen wurde. Künstlerische Netzwerke und Spezialisierungen Ergänzt wird die Ausstellung durch Werke von Wegbereitern und Lehrern, Werkstattmitarbeitern und Zeitgenossen, die ein dichtes Netzwerk beruflicher Beziehungen widerspiegeln. Zu sehen sind Arbeiten von Jan Brueghel d. Ä., David Teniers d. J., Frans Snyders, Adriaen Brouwer, Sebastian Vrancx, Abraham van Diepenbeeck, Erasmus Quellinus d. J., Pieter de Jode, David Vinckboons, Lucas van Uden, Lodewijk de Vadder und Jacques dʼArthois. Viele der genannten Künstler spezialisierten sich auf bestimmte Themen, etwa Genreszenen oder Landschaften, und arbeiteten in wechselnden Konstellationen zusammen. Zeichnungen als kreative Werkstatt Fast alle ausgestellten Zeichnungen sind in größere Werkzusammenhänge eingebunden: Als schnelle Ideenskizze, detaillierter Kompositionsentwurf oder präzise Einzelstudie bereiteten sie Gemälde, Kupferstiche oder Tapisserien vor. Bildthemen wurden entwickelt, korrigiert und variiert. Das Ringen um die exakte Haltung einer Figur wird ebenso deutlich wie das Entstehen einer ganzen Komposition. Auf diese Weise lassen die Zeichnungen den schöpferischen Prozess noch heute unmittelbar anschaulich werden und veranschaulichen die ungeahnte Vielfalt flämischer Kunst. Die Ausstellung wird kuratiert von Christien Melzer, Kuratorin für Niederländische und Englische Kunst vor 1800 am Kupferstichkabinett. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (100 Seiten, zahlreiche Abbildungen, ISBN 978-3-88609-915-3) Ein begleitendes Faltblatt für Kinder zum Zeichnen und Rätseln liegt kostenlos in der Ausstellung aus. Eine Sonderausstellung des Kupferstichkabinetts – Staatliche Museen zu Berlin (Bild: Peter Paul Rubens, Bathseba erhält das Schreiben Davids, Detail, 1612–1614, Feder in Braun, Pinsel in Grau Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders)
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Unbezahlbar - Geld, Macht, Werte

Staatliche Museen zu Berlin

Alles dreht sich um Geld: Pfandflaschen werden gesammelt, ein Gummihandschuh übergezogen, das Handy an der Kasse gezückt. Dabei ist Geld mehr als Münzen und Scheine oder ein digitaler Kontostand. Seit seiner Entstehung prägt Geld die Vorstellungen von der Welt und beziffert, was und wer als wertvoll gilt. Was darf eine Banane, ein T-Shirt, eine Wohnung, Arbeitskraft oder Lebenszeit kosten? Geld und Wert im Wandel: Von dem Maya-Stuckkopf bis zur Kakaobohne Die Ausstellung „Unbezahlbar – Geld, Macht, Werte“ hinterfragt, wie und auf wessen Kosten Geld uns selbst, unsere Geschichte und unsere Welt formt. Sie verknüpft die Ursprünge von Geld mit Fragen von Macht und gesellschaftlichen Strukturen und erzählt anhand von Objekten aus den Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz von globalen Verflechtungen und persönlichen Schicksalen im Zusammenhang mit Veränderungen von Wert: Ein Maya-Stuckkopf verliert als Fälschung seinen Marktwert und gewinnt zugleich einen neuen als Forschungsgegenstand. Kakaobohnen werden von einer historischen Währung zum globalen Genussmittel. Pfandflaschen bedeuten für die einen Müll, für andere einen notwendigen Zuverdienst. Ein Handschuh wird zum Symbol unsichtbarer Sorgearbeit. Eine Drehleier erklingt als Instrument von Arm und Reich, in den Händen von bettelnden Straßenmusiker*innen sowie zur höfischen Unterhaltung. Sammlungsobjekte selbst sind dabei nicht nur Zeugnisse wirtschaftlicher Systeme, sondern auch Repräsentationsmittel, Machtinstrumente und Wertanlagen. Was wiegt mehr? Interaktive Stationen machen Geld unmittelbar erfahrbar: Besucher*innen können Geldscheine stempeln, Werte wiegen, einer Drehleier lauschen oder ihre Gedanken zu Ungleichheit, Reichtum und Armut teilen. Zeitgenössische Interventionen schlagen eine Brücke zwischen historischen Perspektiven und aktuellen Fragen nach Kapital, Konsum und gesellschaftlicher Verantwortung. Kuratorisches Team Die Ausstellung wird kuratiert von den Volontär*innen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Leonard Brey, Yannick Dreessen, Drossilia Dikegue Igouwe, Judith Fütterer, Tabea Harney, Klara Harthun, Flavia Hennig, Isa Hirtz, Marie-Luise Hugler, Ann-Kathrin Illmann, Jessica Knebel, Johannes Köhler, Sofie Lechner, Lea Nohr, Louis Petitjean, Elisabeth Pieper, Lu Tian, Sarah Unger, Zhining Zhang Ausstellungsdesign und Szenografie durch Atelier Ambient Ausstellung an zwei Orten „Unbezahlbar – Geld, Macht, Werte“ ist im Forschungscampus Dahlem zu sehen. Eine thematische Erweiterung bietet die Fokusvitrine im Stabi Kulturwerk. Öffnungszeiten Stabi Kulturwerk: Mittwoch: 10 bis 18 Uhr Donnerstag: 10 bis 20 Uhr Freitag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr Montag und Dienstag: geschlossen Der Eintritt in den Forschungscampus Dahlem und in das Stabi Kulturwerk in der Staatsbibliothek Unter den Linden ist frei. Gefördert durch Museum & Location Eine Sonderausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin (Bild: Fotografie „Eine Rentnerin protestiert mit aufgenähten Banknoten gegen die Geldentwertung“ Fotonachweis: bpk-Fotoarchiv / Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Willy Römer)
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Verbindende Fäden.
Gestickte Narrative aus Afghanistan und der Diaspora

Staatliche Museen zu Berlin

Wie lassen sich Erinnerungen bewahren, wenn Heimat verloren geht? Welche Geschichten schreiben sich in textile Oberflächen ein, wenn Erfahrungen von Migration, Exil und kultureller Transformation sichtbar werden? Die Ausstellung „Verbindende Fäden“ untersucht Stickerei als kulturelle Praxis, als Trägerin von Wissen und als Medium kollektiver Erinnerung innerhalb afghanischer Diasporakontexte. Im Zentrum stehen bestickte Textilien, textile Objekte und narrative Fragmente, die sich zwischen persönlicher Erfahrung und kulturellem Archiv bewegen. Die Arbeiten eröffnen Perspektiven auf Formen weiblicher Wissensweitergabe und auf textile Traditionen, die unter Bedingungen von Migration neue Bedeutungen annehmen. In Afghanistan ist Stickerei weit mehr als ornamentale Gestaltung. Muster, Farbkompositionen und textile Techniken fungieren seit Generationen als Formen kultureller Codierung, sozialer Zugehörigkeit und familiärer Erinnerung. Im Kontext von Exil und Diaspora verschieben sich diese Funktionen: Textile Praktiken werden zu Orten der Selbstverortung, zu Ausdrucksformen von Verlust und Kontinuität sowie zu Medien kultureller Selbstbehauptung innerhalb transnationaler Lebensrealitäten. Die Ausstellung verbindet künstlerische, biografische und kulturhistorische Perspektiven und fragt nach der Rolle materieller Kultur in Prozessen von Erinnerung, Identitätsbildung und Migration. Textile Arbeiten und erzählte Erfahrungen machen dabei sichtbar, was in offiziellen Narrativen häufig ausgeblendet bleibt: die leisen, alltäglichen Formen des Bewahrens, Weitergebens und Neuformulierens kultureller Zugehörigkeit. Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Melanie Krebs und Azita Ibrahimi. Azita Ibrahimi ist Künstlerin und Kunsthistorikerin aus Herat, Afghanistan, und promoviert am Zentralasien-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin zu Transformationsprozessen afghanischer Stickerei, insbesondere im Kontext afghanischer Communities in Deutschland. Ihre wissenschaftliche und künstlerische Praxis prägt die Ausstellung in besonderer Weise und verbindet Fragen materieller Kultur mit gegenwärtigen Debatten zu Diaspora, Erinnerung und transkulturellen Ästhetiken. Melanie Krebs ist Kuratorin für das Fachreferat Nordafrika, West- und Zentralasien am Ethnologischen Museum. Ihre Schwerpunkte sind materielle Kultur, Identität und Globalisierungsprozesse vor allem in Zentralasien. „Verbindende Fäden“ steht in thematischer Verbindung zur Muslimischen Kulturwoche 2026 und ist im Untergeschoss des Forschungscampus Dahlem zu sehen. Am Eröffnungstag lädt der Forschungscampus Dahlem ab 18 Uhr außerdem zu einem zentralasiatischen Nachmittag im Rahmen der Muslimischen Kulturwoche ein – mit Kulturprogramm, Begegnungen und Einblicken in textile Traditionen Zentralasiens. Eine Sonderausstellung des Forschungscampus Dahlem der Staatlichen Museen zu Berlin (Bild: Stickereien aus Afghanistan © Staatliche Museen zu Berlin / Azita Ibrahimi)
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Auf ruhigen Flüssen der turbulenten Welt entfliehen.
Fischer und einsame Boote in der Malerei Chinas

Staatliche Museen zu Berlin

Anlässlich des 120-jährigen Bestehens der Ostasiatischen Kunstsammlung, die im Lauf ihrer Geschichte viele turbulente Zeiten überstanden hat, präsentiert diese Ausstellung die Gestalt des Fischers: Er verkörpert unter anderem die Idee der Flucht aus dem Leben eines Staatsdieners in einer von Konflikten und zwischen-dynastischen Kriegen zerrissenen Welt. Als höchst symbolträchtiges Motiv der chinesischen Malerei bleibt der Fischer namenlos, symbolisiert Widerstandsfähigkeit und wird meist in einer idyllischen Landschaft dargestellt. Obwohl diese Landschaften friedvoll wirken, stehen sie zugleich für den Rückzug aus einem turbulenten, stressigen und gefährlichen Umfeld. Während ein leeres Boot mit losem Tau für manche Freiheit und Unabhängigkeit verkörpert, kann es für andere auch eine Erinnerung an die Flucht von einem Ort sein, den sie einst ihr Zuhause nannten. Die Ausstellung wird kuratiert von Birgitta Augustin. Eine Wechselpräsentation des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin im Humboldt Forum, Raum 319, „Künstler und Kenner“ (Bild: Wu Jingting (1904 – 1972), Maler; Luo Fukan (1872 – 1955), Kalligraph, Freuden der Fischer am Fluß und Schnee über dem Fluß, datiert 1948, Fächerblatt montiert als Albumblatt Fotonachweis: Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Asiatische Kunst)
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Freunde der Kunst Ostasiens

Staatliche Museen zu Berlin

1926 wurde die Gesellschaft für Ostasiatische Kunst (GOK) als erster Museumsfreundeskreis der 1906 gegründeten Ostasiatischen Kunstsammlung ins Leben gerufen. Die Ostasiatische Kunstsammlung ist eine Vorläuferin des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin. Das Museum würdigt mit dieser Präsentation aus der eigenen Sammlung und vor allem mit Dauerleihgaben aus der Sammlung der 1990 in Anlehnung an diesen ersten Museumsfreundeskreis gegründeten Deutschen Gesellschaft für Ostasiatische Kunst (DGOK) e. V. 100 Jahre zivilgesellschaftliches Engagement und Mäzenatentum für die Kunst Ostasiens in Berlin. Die Gesellschaft für Ostasiatische Kunst unterstützte das Museum in vielfältiger Weise: mit Mitteln für Erwerbungen, Leihgaben aus dem Kreis der Mitglieder, Rat und Tat oder indem sie als Veranstalterin bedeutender Präsentationen wie der „Ausstellung Chinesischer Kunst“ 1929 oder noch 1931 „Japanische Malerei der Gegenwart“ (beide in der Akademie der Künste am Pariser Platz) fungierte. Sie trug wesentlich zur Publikation des seit 1912 vom Gründungskurator-Direktor der Ostasiatischen Kunstsammlung, Otto Kümmel (1874 – 1952) und seinem Assistenten William Cohn (1880 – 1961) herausgegebenen Fachorgans „Ostasiatische Zeitschrift“ bei. Sie übernahm die Herausgeberschaft, als Cohns Name wegen seiner jüdischen Herkunft nicht mehr genannt werden konnte. Die nationalsozialistische Machtergreifung und der Holocaust bedeuteten einen tiefgreifenden Einschnitt für diese Gesellschaft wie auch für viele ihrer Mitglieder, insbesondere die als jüdisch Verfolgten, denen unendliches Leid zugefügt wurde. Mit der Beschädigung des Museumsgebäudes und der Verbringung eines großen Teils der Museumssammlung nach Kriegsende in die Sowjetunion endete die wechselvolle Geschichte des ersten Museumsfreundeskreises. Dass das Museum nach den Katastrophen des Krieges und des Holocausts heute wieder floriert, verdankt es nicht zuletzt den zahlreichen Menschen, die sich im neu gegründeten Freundeskreis Deutsche Gesellschaft für Ostasiatische Kunst (DGOK) e. V. oder seinen Vorläufern engagierten und engagieren. Neben Vorträgen und Exkursionen für Mitglieder publiziert der Verein unter der Schriftleitung von Patrizia Jirka-Schmitz seit 2000 wieder eine „Ostasiatische Zeitschrift“, begleitet die Museumsarbeit und ermöglicht zahlreiche Erwerbungen, die dem Museum als Dauerleihgaben zur Verfügung stehen. Zu den Highlights der im Bereich der Kunst aus Japan aus diesem Anlass in zwei Teilen präsentierten Werke zählen die Erstpräsentationen einer Installation mit 108 Schalen der in Essen tätigen Keramikerin Young-Jae Lee und des Fragments eines buddhistischen Rollbilds mit der Darstellung eines Beschützers des Buddhismus aus dem Japan des 18. Jahrhunderts. Es gehört zu einem Set von ursprünglich fünf Bildern und wird hier wiedervereint mit einem Bild aus Privatbesitz und einem aus dem Museum. Neben Dauerleihgaben aus der Sammlung der Gesellschaft werden auch Geschenke von Mitgliedern wie Holzschnitte aus Japan, aber auch Publikationen zur Geschichte des 1926 gegründeten Freundeskreises gezeigt. Im zweiten Teil folgen vom 16. Dezember 2026 bis 1. März 2027 aktuelle Neuerwerbungen aus dem laufenden Jahr. „Freunde für die Kunst Ostasiens – zur Gründung der Gesellschaft für Ostasiatische Kunst vor 100 Jahren“ ist eine Wechselpräsentation des Museums für Asiatische Kunst im Humboldt Forum, Raum 318, „Kunst aus Japan“. (Bild: Kōda Ryōkō Suenobu (oder Kōda Yoshiyasu Toshinobu, 1722 – ? nach 1783), Der Weisheitskönig Gōzanze Myōō, Detail, aus einem Set der Fünf Großen Weisheitskönige (Godai Myōō), Japan, Edo (Tokyo), Edo-Zeit, datiert 1783, Hängerollenfragment, Tusche, Gold und Farben auf Seide © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Asiatische Kunst, Dauerleihgabe der Deutschen Gesellschaft für Ostasiatische Kunst, DLG)
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Daniel Chodowiecki 1726–1801. Berliner Bilder der Aufklärung

Staatliche Museen zu Berlin

Im ausgehenden 18. Jahrhundert war Daniel Nikolaus Chodowiecki der Superstar unter den Berliner Künstlern. Zu seinem 300. Geburtstag widmet ihm das Kupferstichkabinett in Kooperation mit der Akademie der Künste, Berlin und der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin eine Kabinettausstellung, die über zwanzig seiner bedeutendsten Werke aus allen Schaffensperioden präsentiert. Sie begeistern bis heute durch ihren feinsinnigen Humor, regen aber auch zum Nachdenken an. Die in ihnen anklingenden und verhandelten gesellschaftspolitischen Themen der Aufklärung haben bis heute nicht an Relevanz verloren. Der Abschied des Jean Calas Zum ersten Mal sind die wichtigsten Werke zu Chodowieckis um 1767 entstandener Bildschöpfung zum „Abschied des Jean Calas von seiner Familie“ aus drei Sammlungen an einem Ort zu sehen. Die Grundlage für Chodowieckis Komposition war das tragische Schicksal des Toulouser Kaufmanns Jean Calas und damit einer der bekanntesten Justizskandale der Aufklärung. Calas gehörte als lutherisch-reformierter Christ einer im damaligen Frankreich starken Repressionen ausgesetzten religiösen Minderheit an. Als sich einer seiner Söhne 1761 das Leben nahm, versuchte die Familie zunächst den Selbstmord als Mord darzustellen, um dem Sohn ein christliches Begräbnis zu ermöglichen. So geriet schließlich Jean Calas selbst in Verdacht, seinen Sohn aufgrund dessen angeblicher Absicht, zum Katholizismus überzutreten, erwürgt zu haben. Obwohl es keine Beweise für diesen Vorwurf gab, führte der religiöse Fanatismus gegen den Protestantismus dazu, dass Jean Calas zum Tode verurteilt und am 10. März 1762 öffentlich hingerichtet wurde. Entsetzt über diesen Justizmord verfasste der Philosoph Voltaire (1694–1778) die Schrift „Über die Toleranz“ (1763) und erreichte 1765 die posthume Rehabilitierung von Jean Calas und seiner Familie. Chodowieckis dramatische und hochemotionale Darstellung des Moments, in dem der zum Tode verurteilte Calas von seiner Familie Abschied nimmt, zählt zu den zentralen Bildern der Aufklärung. Die Komposition sollte Rührung und Empathie auslösen und somit zur moralischen Entwicklung des Publikums beitragen. Themen der Aufklärung Neben Chodowieckis malerischem Hauptwerk aus der Gemäldegalerie und sämtlichen zeichnerischen und druckgraphischen Werken, die in diesem Zusammenhang entstanden sind, zeigt die Ausstellung Rötelzeichnungen Chodowieckis, die ein Berliner Netzwerk der Aufklärung vorstellen, darunter den Schriftsteller und Verleger Friedrich Nicolai und den Religionsphilosophen Moses Mendelssohn. Sie stehen stellvertretend für die vielen Intellektuellen ihrer Zeit, die für eine neue Debatten- und Diskurskultur eintraten und gegen Verschwörungstheorien und Esoterik ankämpften. Chodowiecki befasste sich in seinem umfangreichen druckgraphischen und zeichnerischen Werk, aus dem die Ausstellung eine Auswahl zeigt, mit den Themen der Aufklärung wie Bildung, Familie, Gesellschaftsordnung und trug zur Verbreitung der neuen Diskurse bei. Chodowiecki 300 Die Kabinettausstellung wurde kuratiert von Mailena Mallach (Kupferstichkabinett), Anna Schultz (Akademie der Künste) und Sarah Salomon (Gemäldegalerie) und ist Teil des Netzwerks „Chodowiecki 300“, das den vielseitigen Berliner Künstler zum 300. Geburtstag im Jahr 2026 an verschiedenen Orten feiert. Eine Kabinettausstellung des Kupferstichkabinetts im Rahmen von „Chodowiecki 300“ in Kooperation mit der Akademie der Künste, Berlin und der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin (Bild: Daniel Chodowiecki, Pater Gassner oder Exorzierung eines Mädchens, Detail, aus: Vier Zeichnungen zum Taschenbuch für Aufklärer, 1790, Pinsel in Schwarz, weiß gehöht Fotonachweis: Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett)
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Ryuichi Sakamoto:
seeing sound, hearing time

Staatliche Museen zu Berlin

Die Ausstellung ist die erste große Retrospektive des Komponisten und Künstlers in Europa. Ryuichi Sakamoto gilt als Pionier der elektronischen und experimentellen Musik, der die Grenzen zwischen Klang, Film, Performance und bildender Kunst immer wieder neu definierte. Seit den 2000er-Jahren entwickelte Sakamoto dreidimensionale Klangräume, oft in Zusammenarbeit mit internationalen Künstler*innen wie Shiro Takatani und Carsten Nicolai oder dem Filmemacher Apichatpong Weerasethakul. „Ryuichi Sakamoto. seeing sound, hearing time“ zeigt sieben Werke in fünf großformatigen Installationen und eröffnet zur Berlin Art Week. Die Ausstellung rückt die Schnittstelle von Klang und Kunst ins Zentrum, die seit seiner Gründung vor 30 Jahren ein Markenzeichen des Hamburger Bahnhof ist. Der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart zeigt auf rund 1.500 Quadratmeter in den Rieckhallen sieben Werke in fünf großformatige Installationen des Komponisten und Künstlers Ryuichi Sakamoto. „IS YOUR TIME“ (2017), in der ein durch den Tsunami 2011 zerstörtes Klavier zum Objekt für Klänge wird, beruht auf digital umgewandelten seismologischen Daten von Erdbeben weltweit in Echtzeit. Weitere Installationen sind ausgehend von seinem Album „async“ (2017) in enger Kooperation mit dem Künstler Shiro Takatani und dem Filmmacher Apichatpong Weerasethakul entstanden. Zwei Filme von Carsten Nicolai in der Ausstellung verwenden Musik des letzten Albums „12“ von Sakamoto, ein Klangtagebuch, das er 2021 bis 2022 aufgenommen hat. Der Komponist und Künstler Ryuichi Sakamoto Ryuichi Sakamoto (1952-2023) war ein Komponist, Produzent und Künstler, geboren in Tokio. 1978 debütierte er mit dem Album „Thousand Knives“ und war Mitbegründer der legendären Techno-Gruppe Yellow Magic Orchestra. Sein vielfältiges Schaffen umfasst Popalben, viele klassische Werke, zwei Opern und fast 45 Original-Film- und TV-Soundtracks. Für seine Filmmusik erhielt er zahlreiche renommierte Auszeichnungen, darunter einen Oscar, zwei Golden Globes und einen Grammy. Auch in der Kunstwelt war Sakamoto aktiv: Seine Arbeiten wurden weltweit in Museen gezeigt (Seoul, 2018; Peking, 2021; Chengdu, 2023–2024; Tokio, 2024–2025; Phuket, 2026; Hong Kong 2026). Als Aktivist engagierte er sich jahrzehntelang für Umweltschutz und Weltfrieden. Er gründete die Organisation „more trees“ zur Waldrettung und das „Tohoku Youth Orchestra“, um die Opfer des Tohoku-Erdbebens durch Musik zu unterstützen. Sakamoto starb am 28. März 2023. Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Ausgabe der Katalogreihe des Hamburger Bahnhof, herausgegeben von Silvana Editoriale Milano. Die Ausstellung wird kuratiert von Ingrid Buschmann, Kuratorin Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart zusammen mit Sachiko Namba, Kuratorin, Tokio. Die Ausstellung ist Teil des Jubiläumsprogramms 30 Jahre Hamburger Bahnhof. 2026 feiert der Hamburger Bahnhof sein 30-jähriges Bestehen mit einem Programm, das den Bogen von der Geschichte des Ortes bis in die Zukunft spannt: Acht Sonderausstellungen, eine neue Sammlungspräsentation sowie Performances und Konzerte tragen das Museum weit in den Stadtraum hinaus. Höhepunkt ist das Jubiläumswochenende vom 13. bis 15. November 2026, an dem eine internationale Konferenz zur Zukunft zeitgenössischer Sammlungsmuseen stattfindet und das Haus für 30 Stunden durchgehend geöffnet ist. In Zusammenarbeit mit KAB Inc./KAB America Inc. und Dumb Type Office Ltd. Die Ausstellung wird unterstützt von den Hamburger Bahnhof International Companions e. V. Gefördert durch EU-Japan Fest Japan Commitee und Agency for Cultural Affairs, Government of Japan Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin (Bild: Ryuichi Sakamoto & Shiro Takatani, async–immersion tokyo, 2024, Installationsnansicht „Ryuichi Sakamoto | seeing sound, hearing time“, Museum of Contemporary Art Tokyo (MOT) 2024 © courtesy the artist, KAB Inc. / Takeshi Asano)
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Forms of Alignment

Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum

Forms of Alignment, kuratiert von Daniel Laufer und Constanze Murfitt, ist als künstlerisch-zeitgenössische Diskursausstellung konzipiert. Im Zentrum steht nicht die Darstellung festgeschriebener Identitäten, sondern die Frage, wie Beziehungen entstehen: zwischen Menschen und Räumen, Institutionen und Öffentlichkeit sowie zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Fünf künstlerische Positionen arbeiten mit Raum, Sprache, Bildlichkeit, Material und sozialen Strukturen. Ihre Arbeiten untersuchen Relationen nicht nur als harmonische Verbindungen, sondern ebenso als fragile, mitunter widersprüchliche Aushandlungen. Beziehung erscheint als etwas, das nicht einfach gegeben ist, sondern hergestellt, getragen, geschützt, begrenzt und immer wieder neu verhandelt werden muss. Gerade in diesen Prozessen treten Ambivalenzen hervor: Nähe kann Schutz bedeuten, aber auch Ausschluss erzeugen; Ausrichtung kann Orientierung geben und zugleich Hierarchien und Abhängigkeiten sichtbar machen. Der denkmalgeschützte Ausstellungsort ist dabei nicht bloß Kulisse, sondern aktiver Teil der Ausstellung. Seine räumlichen, historischen und institutionellen Bedingungen – Denkmal, Öffentlichkeit, Schutz, Schwelle, Fragment und Rekonstruktion – werden als Material ernst genommen. Die Arbeiten treten mit diesen Voraussetzungen in Beziehung, reagieren auf sie, widersprechen ihnen oder verschieben ihre Bedeutung. Auf diese Weise entsteht ein Gefüge, in dem Gegenwart und Geschichte nicht voneinander getrennt erscheinen, sondern sich gegenseitig überlagern. Zugehörigkeiten werden an diesem Ort zwangsläufig mitgelesen. Sie bilden jedoch nicht das kuratorische Ordnungsprinzip. Entscheidend ist vielmehr, welche Fragen die einzelnen Arbeiten öffnen, welche Beziehungen sie herstellen und welche Spannungen sie sichtbar machen und aushalten. Forms of Alignment versteht Ausstellung daher nicht als abgeschlossenen Raum eindeutiger Aussagen, sondern als Ort der Begegnung, der Reibung und der Neuordnung. Der Titel verweist auf unterschiedliche Formen des Sich-Ausrichtens: auf körperliche, soziale, politische, räumliche und institutionelle Konstellationen. „Alignment“ meint dabei weder vollständige Übereinstimmung noch harmonische Einheit. Gemeint ist vielmehr ein vorläufiges Verhältnis, das sich aus Annäherung, Verschiebung, Widerstand und wechselseitiger Abhängigkeit bildet.
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Stolz und Vorurteil - Juden im Blick

Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum

Woher weiß eine KI, wie Juden aussehen? Woher wissen Sie es? Und kann es das überhaupt geben: ein Bild von Jüdinnen und Juden, das der Vielzahl jüdischer Lebenswirklichkeiten, ihrer widersprüchlichen Geschichte und Gegenwart gerecht wird? Versuche, dieses Bild zu kreieren hat es immer gegeben – in der Kunstgeschichte, in Hollywood und neuerdings auf Social-Media-Plattformen wie TikTok. Auch der Filmemacher Nico Beyer hat diesen Versuch unternommen. Seine hier gezeigten Kurzfilme sind Porträts, Miniaturen jüdischer Gegenwart in Europa, die als skizzenhafte Einblicke keinen Anspruch auf Gesamtdarstellung erheben. Trotzdem wollen sie zeigen, mit welchem Stolz, welchem Zweifel, welcher Normalität, sich ihre jüdischen Protagonisten vor der Kamera inszenieren. Das Credo der Filme: viele Bilder, statt des einen Bildes von Jüdinnen und Juden. Nur sind auch diese vielen Bilder umkämpft. Sie müssen sich vor dem Blick von außen, den Zuschreibungen einer nichtjüdischen Mehrheit, ebenso behaupten wie imj innerjüdischen Ringen um Repräsentationsansprüche.. Wer zeigt hier also wen und wie? Hörbar werden diese Behauptungskämpfe in der Audioinstallation, die die Filme von Nico Beyer umgibt. Dort finden sich alle Schwierigkeiten, die der heutige Blick auf Jüdinnen und Juden sowie ihre (Selbst-)Darstellung in Bildern mit sich bringt: verzerrende Stereotype, Hasskommentare in den sozialen Medien, KI-Fakes, antiisraelische Bildpropaganda infolge der Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und die grundsätzliche Frage, ob es unabhängig von dieser antisemitischen Bilderflut ein selbstbestimmtes, wahrhaftiges Bild von Juden geben kann.
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Preis der Nationalgalerie 2026:
Maurizio Cattelan. NIGHT

Staatliche Museen zu Berlin

Mit „NIGHT“ präsentiert die Neue Nationalgalerie die erste große Einzelausstellung des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan in Deutschland. Die Ausstellung findet im Rahmen des Preis der Nationalgalerie 2026 statt, für den Maurizio Cattelan von einer internationalen Jury ausgewählt wurde. Sie vereint wichtige historische Werke Cattelans und neue Arbeiten in dem ikonischen Mies-van-der-Rohe-Gebäude. Die Ausstellung vereint Schlüsselwerke wie „Him“ (2001), „Novecento“ (1997), „La Rivoluzione Siamo Noi“ (2000) und das von Günter Grass’ „Die Blechtrommel“ inspirierte „Untitled“ (2003) mit neuen Arbeiten. Gemeinsam verhandeln sie zentrale Motive in Cattelans Schaffen: die fragile Grenze zwischen Unschuld und Gewalt, die Konstruktion von Identität sowie die fortwährende Präsenz historischer Erinnerung. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine eigens für die Neue Nationalgalerie entwickelte ortsspezifische Installation. Mit dieser neuen Auftragsarbeit greift Cattelan behutsam in die räumliche Ordnung des Hauses ein, verändert so die Art und Weise, wie das Gebäude genutzt und erlebt wird, und eröffnet neue Formen der Begegnung. Vertraute Ausstellungsformen treten zugunsten einer Präsentation zurück, die von Aufmerksamkeit, Reflexion und gemeinsamer Erfahrung geprägt ist. Dadurch verschieben sich die Beziehungen zwischen Werk, Publikum und Architektur. Die von Mies van der Rohe entworfene Neue Nationalgalerie in Berlin bildet hierfür einen besonderen Resonanzraum. Ihre ikonische Architektur wird nicht nur zum Ausstellungsort, sondern selbst zum aktiven Bestandteil der Inszenierung und prägt maßgeblich die Wahrnehmung und Erfahrung der gezeigten Arbeiten. In Berlin präsentiert, entfaltet sich „NIGHT“ in einem deutschen Kontext, der von vielschichtigen historischen Erfahrungen und fortwährenden Prozessen des Erinnerns geprägt ist. Während gesellschaftliche Narrative über Generationen hinweg immer wieder neu befragt werden, tritt Cattelans Werk in ein Spannungsfeld ein, in dem Bilder, Symbole und Formen der Repräsentation weiterhin aktiv verhandelt werden. Der Künstler Maurizio Cattelan Seit den frühen 1990er-Jahren zählt Maurizio Cattelan (geboren 1960 in Padua) zu den prägenden Stimmen der internationalen Gegenwartskunst. Seine Arbeiten greifen vertraute Bilder auf, die tief im kollektiven Gedächtnis verankert sind, und verschieben deren Bedeutung durch minimale, oft irritierende Eingriffe. Dabei widmet sich Cattelan Themen, die gesellschaftlich, historisch oder emotional besonders aufgeladen sind: Religion, Kindheit, Autorität und generationsübergreifende kollektive Traumata. Mit einer Bildsprache, die zwischen Ironie, Provokation, Überzeichnung und formaler Reduktion oszilliert, hinterfragt er etablierte Narrative und eröffnet neue Perspektiven auf Erinnerung, Glauben und gesellschaftliche Machtstrukturen. Mit „NIGHT“ kehrt Maurizio Cattelan nach Berlin zurück – zwanzig Jahre nachdem er die 4. Berlin Biennale mitkuratierte. Kuratorisches Team Die Ausstellung wird kuratiert von Lisa Botti, Kuratorin an der Neuen Nationalgalerie, mit Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie, in enger Zusammenarbeit mit Maurizio Cattelan. Der Preis der Nationalgalerie Der im Jahr 2000 von den FREUNDEN der Nationalgalerie initiierte Preis der Nationalgalerie hat sich in den vergangenen 25 Jahren als eine der bedeutendsten Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst in Deutschland etabliert und würdigt Künstler*innen, die die nationale und internationale Kunstlandschaft nachhaltig prägen. 2026 tritt der Preis der Nationalgalerie mit dem Umzug in die Neue Nationalgalerie in eine neue Phase ein und bietet eine*r Künstler*in die einmalige Gelegenheit, eine fokussierte und ambitionierte Ausstellung in der ikonischen Glashalle zu realisieren. Das Format spiegelt den Anspruch der Nationalgalerie wider, bedeutende Kunst nach Berlin zu bringen. Die Jury für den Preis der Nationalgalerie 2026 setzt sich zusammen aus Emma Lavigne (Direktorin der Pinault-Sammlung, Paris) und Sam Keller (Direktor der Fondation Beyeler, Basel) sowie Klaus Biesenbach (Direktor der Neuen Nationalgalerie). Neben den Jurymitgliedern waren auch die Kurator*innen der Nationalgalerie und die Mitglieder der FREUNDE der Nationalgalerie vorschlagsberechtigt. Die Ausstellung im Rahmen des Preis der Nationalgalerie wird ermöglicht von den FREUNDEN der Nationalgalerie und gefördert BMW. Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie, Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Bild: Maurizio Cattelan, Detail, 2026 © Neue Nationalgalerie – Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Ivan Erofeev)
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fuga - Klangausstellung von Netta Weiser

Staatliche Museen zu Berlin

Netta Weiser (geboren 1991 in Israel) arbeitet an der Schnittstelle von Klanginstallation, Performance und experimentellem Radio. Der Hörraum im Humboldt Forum präsentiert ihre erste Klangausstellung in Berlin. In ihrer interdisziplinären Praxis entwickelt Weiser choreografische Zugänge zu Klang und erforscht, wie Radioübertragungen verdrängte Geschichten hörbar machen und kollektives Hören temporäre Gemeinschaften entstehen lässt. In „fuga“ verweben sich Archivklänge aus dem Ägypten der 1930er-Jahre, queere Geschichten und diasporische Erinnerungen zu einer choreografischen Hörerfahrung. „fuga“ geht aus Weisers künstlerischer Forschung im Phonogramm-Archiv des Ethnologischen Museums in Berlin hervor. Im Zentrum ihrer Recherche stand eine Sammlung von Wachswalzenaufnahmen, die die deutsch-jüdische Komponistin Brigitte Schiffer (1909–1986) in den 1930er-Jahren in Ägypten anfertigte. Schiffer studierte Komposition und Vergleichende Musikwissenschaft in Berlin. Im Rahmen ihrer Dissertation unternahm sie Feldforschungen in der abgelegenen Oase Siwa im Westen Ägyptens. Mit einem Phonographen dokumentierte sie eine Vielzahl vokaler Praktiken der dort lebenden Amazigh-Gemeinschaft. Zu ihren Aufnahmen gehören seltene Klangdokumente, darunter Frauenlieder, Totenklagen und Arbeitsgesänge. Nach ihrer Dissertation im Jahr 1935 floh Schiffer vor dem nationalsozialistischen Regime nach Ägypten, wo sie die folgenden drei Jahrzehnte lebte und zu einer prägenden Persönlichkeit des kulturellen Lebens im kosmopolitischen Kairo wurde. Durch Klang, Performance und räumliche Komposition nähert sich Weiser Schiffers Aufnahmen als lebendige Spuren. Aus einer queeren diasporischen Perspektive aktiviert sie das Archiv neu und macht zum Schweigen gebrachte Erzählungen sowie eine subversive Geschichte von Gefühlen hörbar. Klanginstallation in zwei Teilen Die Klanginstallation entfaltet sich in zwei Teilen. Der erste basiert auf der Aufnahme einer Gruppe von Kindern, die während eines Trauerzugs in der Sahara eine Totenklage singen. Schiffer selbst komponierte 1934 ein von dieser Melodie inspiriertes Werk. In ihrer Komposition verbindet Weiser die Originalaufnahme aus Siwa mit Auszügen aus Schiffers Komposition, elektronischen Klängen, die aus den Wachswalzen gewonnen wurden, sowie Reenactments von Kindern. Gemeinsam mit dem Flötisten Roy Amotz entwickelte Weiser Improvisationen als Reaktion auf dieses Material. Der zweite Teil kreist um eine Sammlung von Gesängen von Landarbeitern während der Dattelernte in Siwa. Diese Wechselgesänge erklangen von den Spitzen der Palmen über die Gärten der Oase hinweg. Ihre Texte verweben Themen wie Migration, wirtschaftliche Not und Andeutungen queerer Liebe. Weiser arbeitete mit dem Sänger Chanan Ben Simon zusammen, der die vokalen Gesten der historischen Aufnahmen neu verkörpert und dabei die antwortende Stimme hörbar macht, die im Archiv fehlt. Das Ergebnis ist ein gerufener Liebesgesang zwischen gegenwärtigen und historischen Stimmen, eingebettet in eine Klanglandschaft aus Rauschtexturen, die aus den ursprünglichen Wachswalzenaufnahmen entwickelt wurden. Entstanden vor dem Hintergrund der anhaltenden Kriege im Nahen Osten, reflektiert die Arbeit die persönliche Auseinandersetzung der Künstlerin mit Fragen von Migration, künstlerischer Praxis in Zeiten des Kriegs sowie dem Umgang mit sich wandelnden politischen Realitäten. Die räumliche Komposition entfaltet sich in kreisförmigen Bewegungen um die Zuhörenden und betont die zyklische Wiederkehr von Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven von Zeit und Ort. Begleitet wird die Klanginstallation von einer sechskanaligen Videoarbeit von Itay Marom. In einer langsamen Bewegung durch eine einzelne Archivfotografie des Kinderchors, die in Schiffers Dissertation von 1936 reproduziert wurde, fügt die Arbeit eine visuelle Ebene von Bewegung, Textur und Erinnerung hinzu. Der Hörraum Speziell für die einzigartige akustische Architektur des Hörraums im Humboldt Forum entwickelt, aktiviert „fuga“ den Raum als choreografische Hörumgebung. Das dreidimensionale räumliche Audio-System des Hörraums lässt den Klang durch den gesamten Raum wandern und macht das Hören zu einer körperlichen und immersiven Erfahrung. So versteht „fuga“ das Archiv nicht als statisches historisches Dokument, sondern als einen Ort des Dialogs, der Transformation und als lebendiges Terrain, auf dem verkörperte Formen von Wissen erneut hervortreten können. Über die Künstlerin Netta Weiser (geboren 1991, Israel) ist eine in Berlin lebende Künstlerin und Choreografin. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Performance, Klanginstallation und experimentellem Radio. 2019 gründete sie „Radio-Choreography“, ein langfristig angelegtes künstlerisches Forschungsprojekt, das sich mit der Übersetzung von Tanz in Klang, dem Verhältnis von Live-Radio und verdrängten Geschichten sowie mit kollektivem Zuhören als choreografischer Praxis beschäftigt. Ihre Arbeiten wurden international präsentiert, zuletzt an der Akademie der Künste und dem KW Institute for Contemporary Art Berlin, im Tanzquartier Wien, Badischen Kunstverein Karlsruhe, an der University of Cambridge, bei der Tanznacht Berlin, im Onassis Stegi Athen, beim WDR (Westdeutscher Rundfunk), bei TONSPUR im MuseumsQuartier Wien, im Suzanne Dellal Centre for Dance Tel Aviv, im Zwerglgarten Pavillon Salzburg sowie in der Villa Medici Rom. Weiser erhielt Stipendien des Studios für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste Berlin sowie des VALIE EXPORT Center Linz. Darüber hinaus gestaltet sie eine monatliche Radiosendung auf reboot.fm – Freies Künstler*innenradio aus Berlin. Mitwirkende Künstler: Flöte: Roy Amotz Gesang: Chanan Ben Simon Video: Itay Marom Toningenieur & Elektronik: Michael Hauschke Forschungsdialog: Prof. Dr. Matthias Pasdzierny Begleitprogramm zur Ausstellung: Die Ausstellung wird begleitet von einem öffentlichen Programm mit Performances, Gesprächen, kollektiven Hör-Sessions im Humboldt Forum sowie einer begleitenden Radioserie auf reboot.fm: Geführte Listening Session zur Langen Nacht der Museen (29. August 2026, 18:30 Uhr) Klang-Performance im Hörraum (29. August 2026, 20 Uhr) Gespräch: „Brigitte Schiffer: Sounds of Exile“ (16. September 2026, 17 Uhr) Radioserie zur Ausstellung Öffnungszeiten: „fuga“ läuft im Hörraum im zweiten Obergeschoss, von Mittwoch bis Montag jeweils von 16 bis 18:30 Uhr. Besonderer Dank an Eleanor und Naomi Volaski Aram. (Bild: Hörraum im Humboldt Forum © Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss / Alexander Schippel)

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